Was bleibt – das Gespräch nach dem Film
Was bleibt für ein Gefühl, nachdem man sich einen Film mit so schweren Inhalten, an einem warmen Sonntagnachmittag, in einem bis auf den letzten Platz gefüllten Kino angeschaut hat? Was bleibt für ein Eindruck haften und mit welcher Einstellung geht man anschließend nachhause? Um sich mit diesen Gedanken nicht alleine zu befassen, gab es nach der Prämiere des Films - dieser lief heute zum ersten Mal vor Publikum, ein moderiertes Gespräch mit den Regisseurinnen Gesa Knolle und Birthe Templin. Diese nutzen die Gelegenheit und bedankten sich zuerst bei ihrem Team für die tolle Arbeit. Das große Interesse an dem Dokumentarfilm war auch nach den 60 Minuten Spielzeit sichtbar, denn das Kino blieb voll und die Menge lauschte dem Gespräch und stellte fleißig Fragen.
Zu Beginn haben sich die beiden Regisseurinnen kurz vorgestellt: Gesa Knolle hat in Scottland Filmregie studiert und ist seit dem als freie Drehbuchautorin und Regisseurin tätig, wohnhaft in Berlin. Birthe Templin hat in London Film studiert und danach in Berlin eine kleine Produktionsfirma gegründet. Sie arbeitet als freie Autorin und Regisseurin.
In den letzten drei Jahren haben die Beiden an ihrem ersten gemeinsamen Film gearbeitet.
Die Idee entstand aus der großen Flut an Fakten, die man zu diesem Thema in der Schule mitbekommt. Man weiß zwar eine Menge über die Verbrechen der Nationalsozialisten an den Juden und über die Konzentrationslager, doch die persönlichen Schicksale bleiben im Schulunterricht oft auf der Strecke, begründeten die Regisseurinnen. Und genau das versucht der Film zu ändern, bewusste wird auf ein Übermaß von Sachinformationen verzichtet und stattdessen, werden konsequent die Personen in den Mittelpunkt gestellt. Mit ein wenig Mut zur Strenge, wird in dem Film komplett auf Schnittbilder verzichtet, denn würde man immer wieder Bilder aus den Konzentrationslagern einblenden, würde die Geschichte die hier eigentlich erzählen werden soll, ihren Charakter verlieren, erklärt Birthe Templin. „Es ist ein anachronistischer Film, ohne die typischen Klischees, wir konzentrieren uns darin sehr stark auf die Menschen und deren Dialoge”, sagt Gesa Knolle.
Ein weiteres Merkmal des Dokumentarfilmes ist, dieser dreht sich ausschließlich um die Geschichte der Frauen. Drei Frauengenerationen nehmen Stellung zu ihrem Leben und ihrer Vergangenheit. Auf der einen Seite die Familie um Erna, die ihre Mutter beziehungsweise ihre Großmutter und Uhrgroßmutter im Konzentrationslager Auschwitz verloren haben und auf der anderen Seite Dietlinde, die als jugendliche erfahren musste, dass ihre Mutter Aufseherin im KZ Ravensbrück war. Die Betitelung „Täter- und Opferfamilie” benutzen Gesa Knolle und Birthe Templin trotzdem nur ungern, denn Opfer sind sie irgendwie alle und es ist schwer ein moralisches Urteil über eine vergangene Zeit abzugeben, so die Beiden. Über die Beziehung zu Dietlinde sagte Birthe Templin, „sie war froh darüber sprechen zu können, sie hat uns vertraut und sie mochte uns, deshalb hat sie sich geöffnet. Wir haben sie nicht gedrängt, nur begleitet.”
Erna und ihre Familie haben sie bei der Veranstaltung zur 60-jährigen Befreiung des KZ Ravensbrück kennen gelernt „uns hat sofort ihre Stärke beeindruckt”.
Eine Zuschauerfrage bezog sich auf das Thema des Ungleichgewichtes im Film, in der einen Familie spricht eine Überlebende, eine Zeitzeugin, in der „Täterfamilie” spricht die Tochter, die selbst diese Zeit nicht miterlebt hat. Es wurde im Voraus auch mit anderen Familien gesprochen, so Birthe Templin, doch die Kinder wollten keine Veröffentlichung der Geschichte, „eine Tochter ist sogar zusammengebrochen und zum Reden zwingen, wollen wir sicherlich niemand”. Die beiden Familien haben sich auch nie kennen gelernt, es wurde getrennt gefilmt und später zusammengesetzt.
Der Einsatz und die Arbeit um diesen Film waren erheblich und mit eigenem Risiko und vor allem Kapital verbunden. Bisher hat kein Fernsehsender den Film unterstützt. Es hieße zwar es wäre ein wichtiges und interessantes Thema, es wäre nur leider kein Platz im Programm und es stünde ja auch kein Jahrestag an. Die Crew hat somit vorerst ehrenamtlich gearbeitet. „Unterstützung erhielten wir aber beispielsweise durch die Dr. Hildegard Hansche Stiftung”, sagt Knolle.
Mit den Frauen aus dem Film wollen Gesa Knolle und Birthe Templin den Kontakt halten, denn sie sind zu wichtigen Personen für sie geworden.
Mit lautem Beifall wurde die Crew verabschiedet.
Tags: Doku, Filmpalette, Sonntag
Der Beitrag wurde am Sonntag, den 27. April 2008 um 14:00 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.