Eine Zusammenarbeit von Studierenden der
Fachhochschule Köln und der Technischen Universität Dortmund
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A Wall Is a Screen – Wände werden zu Leinwänden

© Klaas Dierks

© Klaas Dierks

“A Wall is a Screen” ist Stadtführung und Filmnacht in einem: Am Samstag wird Dortmund zu neuem Leben erweckt. Mit Einbruch der Dunkelheit geht es mit einem mobilen Projektor durch die Innenstadt. Wände werden Leinwände, Filme werden Realität und Passanten Darsteller. Das Kino befreit sich von seinem vorbestimmten Ort und durch die Korrespondenz zwischen Kurzfilm und Umgebung entwickeln Ort und Film eine neue Wirkung. Die Teammitglieder Sabine Horn und Sarah Adam erklären das Konzept des Projekts.

Wie kamt ihr auf die Idee, Gewerbewände als Leinwand zu nutzen? Sabine: Wir sind alle beim Hamburger Kurzfilmfestival involviert. Im Jahr 2003 wollten drei Techniker des Festivals etwas Eigenes zur Veranstaltung beisteuern. Sie hatten die Idee, einen Stadtrundgang in der Hamburger Innenstadt zu machen und Kurzfilme an verschiedenen Wänden mit mobiler Projektion zu zeigen. Heute besteht unser Team aus 7 Personen. Welche Intention steckt hinter der Idee? Sarah: Die leeren Innenstädte nachts wieder zu beleben, sich den öffentlichen Raum wieder anzueignen und eine kostenlose Veranstaltung zu bieten. Es soll das Bewusstsein für Räume und Stadtentwicklung/ -planung geschärft werden. Ebenso soll der Kurzfilm gefördert werden und ein dramaturgisch interessantes Programm zusammengestellt werden. Stichwort Demokratisierung von Filmkunst. Findet ihr, dass es auf euer Projekt zutrifft? Sarah: Für die Filme, die wir zeigen, zahlen wir eine Aufführungsgebühr an die Filmemacher. Das Publikum zahlt natürlich nichts. In diesem Sinne ist es natürlich eine Demokratisierung. Wir wollen die Filmemacher/ -rinnen fördern, damit sie mit den Geldern auch in der Lage sind, weiterhin Filme zu produzieren. Verdient ihr selbst dabei? Sarah: Der ideelle Gewinn steht im Vordergrund. Es steckt unglaublich viel Arbeit hinter der Sache: Filme sichten, Programm planen, Filme bei den Filmemachern anfragen und letztendlich einen geeigneten Ort finden. Sabine: Wir, die es nebenberuflich machen, sind ein ehrenamtlicher Verein. Wir leben nicht davon - was auch nicht möglich wäre. Nach welchen Kriterien sucht ihr die Leinwände aus? Sarah: Wir suchen Orte und keine Wände. Es reicht nicht, wenn es nur eine weiße Wand ist. Es muss ein Ort sein, wo eine Projektionsfläche vorhanden ist und ein bestimmtes Feeling herrscht, vielleicht etwas fehlt oder eine Leerstelle ist. Nachts in Fußgängerzonen ist dies oft der Fall. Sabine: Wir versuchen, den Bewohnern auch Orte zu zeigen, wo sie normalerweise nicht hingehen. Viele haben ihre festen Wege und oft hat es den Effekt, dass Leute sagen “Hey, hier war ich noch nie”. Wir versuchen eine Dramaturgie zu schaffen, indem wir in einer belebten Straße anfangen, dann verschwinden und irgendwo wieder auftauchen. Wonach wählt ihr die Städte aus? Sabine: In der Regel werden wir von Veranstaltern und Festivals angefragt. Möglich ist es in fast jeder Stadt. Bei kleineren Innenstädten kann es mal schwieriger werden, aber eigentlich ist es so, dass wir eine Vorbesichtigung machen und vorab eine Route planen. Ist es das erste Mal in Dortmund? In welchen Städten wart ihr schon unterwegs? Sabine: Seit 2003 sind wir im In- und Ausland unterwegs. Die erste Veranstaltung fand in Leipzig statt. In Dortmund machen wir dies zum ersten Mal. Inzwischen waren wir auch schon in Amerika und zweimal in England. In Deutschland waren wir bisher in Bonn, Wiesbaden, Frankfurt, Dresden und Hamburg. Gab es bereits Beschwerden von Anwohnern? Sarah: Ja, indirekt. Wir wurden schon mit Wasserbomben beworfen. Passiert ist zum Glück nichts. Wir gehen ja in dem Sinne nicht in Wohngebiete, sondern suchen öffentlichen Raum in der Stadt. Wohngebiete haben keinen Reiz und wären zu homogen. Manchmal kann man es nicht vermeiden, da teilweise Wohnhäuser in Einkaufsstraßen stehen. Was passiert, wenn es plötzlich anfängt zu regnen - wird die Veranstaltung dann abgebrochen? Sabine: Wenn die Gefahr besteht, dass es richtig regnet, suchen wir alternative, überdachte Orte. Bei leichtem Regen stehen Planen und Schirme zur Verfügung. Sarah: Falls es morgen regnen sollte, findet die Veranstaltung auf jeden Fall statt. Wie lange dauert die Veranstaltung? Wie viele Filme werden gezeigt? Sabine: Die Veranstaltung dauert circa eineinhalb Stunden, in denen wir acht Filme an sieben Orten zeigen. Am Anfang zeigen wir zwei Filme und dann immer einen weiteren je Ort. Die Orte sind mit einem Abstand von ca. vier Gehminuten voneinander zu erreichen. Treffpunkt: Sa., 25.04.09, 22:00 Uhr, Schauburg Weitere Infos findet ihr unter: www.awallisascreen.com Partner: KurzFilmAgentur Hamburg Weitere Termine: 01.05.09 Frankfurt 02.05.09 Frankfurt 16.05.09 Hamburg 05.06.09 Hamburg Sabrina Stiller

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 24. April 2009 um 18:01 Uhr veröffentlicht und wurde unter Interviews abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

Eine Reaktion zu “A Wall Is a Screen – Wände werden zu Leinwänden”

  1. Uwe

    sehr schön gefällt mir

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