Eine Zusammenarbeit von Studierenden der
Fachhochschule Köln und der Technischen Universität Dortmund
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Ein Frauenpreis für eine Männerdomäne

ifff09_jury_sophie-maintigneuxIn diesem Jahr gibt es erstmals zwei Preise für Nachwuchs-Bildgestalterinnen – Sophie Maintigneux (Bild), Jurymitglied der ersten Stunde, Barbara Fischer-Rittmeyer, im Team des IFFF verantwortlich für den Preis, und Juliette Guttmann, Redakteurin des Nachrichtenportals derwesten.de, die den Preis für die Sparte Dokumentarfilm gestiftet haben, erklären, was es mit dem Preis auf sich hat.
Was ist eigentlich genau die Arbeit einer Bildgestalterin? Eine Frage, die mir, seitdem ich von diesem Preis gehört hatte, im Kopf herum schwirrte. Was hat das mit Film zu tun? Die Bildgestaltung ist eines der Grundelemente des Films, ist die Antwort, denn die Bildgestalterin erledigt die Arbeit hinter der Kamera. Seit jeher eine reine Männerdomäne.

Barbara Fischer-Rittmeyer, die beim Frauenfilmfestivals für den Bildgestalterinnen-Wettbewerb verantwortlich ist, erklärte mir, dass das Wort Kameramann bzw. -frau immer mit sehr viel Technik in Verbindung gebracht wird. Die Arbeit hinter der Kamera ist jedoch viel mehr, als den Anweisungen des Regisseurs Folge zu leisten. Man (bzw. frau) muss in der Lage sein, Raum, Licht, Farben, Harmonien und vieles mehr mit beachten und als Kamerabild angemessen umsetzen können. Viel mehr also, als “nur” die Kamera zu bedienen.
In diesem Jahr wurde erstmals eine Genretrennung vollzogen: Das Inernetportal der WAZ-Medien, derwesten.de stiftete den Preis für die Sparte Dokumentarfilm.
Bisher wurde nicht zwischen Spiel- und Dokumentarfilm unterschieden. Die Differenzen zwischen den beiden Genres sind aber enorm: beim Spiefilm lässt sich ein konkretes Drehbuchkonzept erstellen, beim Dokumentarfilm muss man spontan und flexibel reagieren können.
Juliette Guttmann, Redakteurin des Nachrichtenportals derwesten.de, hat sich besonders für den Preis für Dokumentarfilme stark gemacht. Darum kann er jetzt mit einer Dotierung von 2.500 Euro erstmalig verliehen werden.
Guttmann schätzt die Arbeit des Teams des Frauenfilmfestivals sehr und wünscht sich für alle Teilnehmerinnen mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit  –  und Mut, sich diesen männerdominierten Arbeitsbereichen zu nähern und darin zu behaupten.

Wie läuft der Wettbewerb ab?

Barbara Fischer-Rittmeyer hat den Preis von Anfang an begleitet und beschreibt den Ablauf. Von den 53 Einsendungen wurden 32 Kurz- und Langfilme aus den Bereichen Spielfilm und Dokumentation nominiert. Das Reglement erlaubt nur Abschluss-Arbeiten oder Werke aus den ersten zwei Jahren nach dem Studienabschluss. Deshalb schieden die anderen Filme aus.
Drei Tage lang haben die drei renommierte Kamerafrauen aus der Jury alle 32 Filme gesichtet: Sophie Maintigneux, französische Bildgestalterin, die seit 2006 auch als Dozentin für Kamera an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin arbeitet, ist seit Anfang an in der Jury. Ute Freund ist als Preisträgerin des vergangenen Nachwuchspreises dabei, Dritte im Bunde ist Bella Halben, die u.a. für bekannte große Produktionen die Bildgestaltung übernommen hat, wie “Im Winter ein Jahr” oder “Baader”.
Nach Sichtung aller Filme wird diskutiert und nach allen Kriterien und bestem Gewissen untersucht, welchen Arbeiten man die Preise zuspricht. Dieses Jahr war das Votum für die Sparte Spielfilm eindeutig, wie Fischer-Rittmeyer mitteilte. Doch im Bereich Dokumentarfilm war man sich etwas unschlüssig. Entschied man sich beim Nachwuchspreis in der Spielfilmsparte zu gleichen Teilen für die Kurzfilme “Badetag” und “1, 2, 3“. In der Kategorie Dokumentation bekam dann doch “Der Die Das” die Auszeichnung und “Auf der Walz” eine lobende Erwähnung.
Es ist fast schon schade, dass man “nur” die prämierten Filme im Rahmen des Festivals zeigen kann und nicht noch mehr, bedauert Barbara Fischer-Rittmeyer. Doch insgesamt ist dieser Nachwuchspreis immer wieder eine große Bereicherung für die Bildgestalterinnen, das Frauenfilmfestival und natürlich auch das Publikum.
Auch 2011, wenn das Festival erneut in Dortmund stattfinden wird, dürfen wir uns wieder über weitere außergewöhnliche Arbeiten von Bildgestalterinnen freuen – vielleicht trauen sich ja bis dahin auch mehr Frauen in die Welt hinter die Kamera.

Sabine Kortland

Der Beitrag wurde am Freitag, den 24. April 2009 um 18:44 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

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