Eine Zusammenarbeit von Studierenden der
Fachhochschule Köln und der Technischen Universität Dortmund
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Kurzweilig – im Sinne von kurz


Von der Sorgfalt des Hinschauens

ifff09_barbeeklein1Was haben Ikea, Katzenfutter und ein grünes Knet-Monster gemeinsam? Sie alle gehören zum Themenspektrum der kürzesten Filme des diesjährigen Frauenfilmfestivals Dortmund Köln. Auch das passend zum Focus Freiheit: Die Freiheit der (Film-)Wahl. Unser Kriterium heute: die Länge beziehungsweise Kürze.  
Mit einer Dauer zwischen 17 Sekunden und eineinhalb Minuten ergibt sich ein buntes Bouquet aus fünf Filmen, die schon zu Ende sind, bevor der Griff in die Popcorntüte lohnt.

Diese Filme erzählen Geschichten, senden Botschaften in einer Dichte, das man als Zuschauer kaum einen Lidschlag wagt, um nicht ein wichtiges Detail zu verpassen.
„Barbee Butcher“  etwa – eine etwas eigenwillige, 17 Sekunden dauernde Auseinandersetzung mit den Attributen der Weiblichkeit: Ein grünes Knetmonster, dass eine Barbie in ihre Einzelteile zerlegt, ihre Beine absägt und ihre Haare auf den eigenen kahlen Kopf heftet. Ein Animationsfilm, der seit seinem Entstehen 2009 durch die europäische Festivallandschaft reist und auch hier in Dortmund begeisterte Zuschauerinnen gefunden hat.

Die Hauptdarstellerin aus „Cat Food Woman“ erinnert an Pin Up Girls der 50er- und 60er-Jahre. Ihr Nachhausekommen wird sehnlichst erwartet – von ihrem Haustier. Alison Murray gestaltete 1997 eine Persiflage auf die Werbeindustrie. Geschmacksvielfalt von Katzenfutter und weibliche Fürsorge lassen den Zuschauer nach Dosenfutter-Großaufnahmen leicht angewidert zurück.

„Ikea Feng Shui“ begleitet einen Mann beim Nachhausekommen auf seiner ratlosen Erkundungstour durch sein eigenes Zuhause: Der Spiegel des Badezimmers ist überwuchert von urwaldartigen Zimmerpflanzen, das Wohnzimmer versperrt durch großzügigen Einsatz von Absperrband und sein Bett findet er in der Garage wieder, während seine Frau den Garten mit einer Wünschelrute durchkämmt. Des Rätsels Lösung entdeckt er auf ihrem Nachttisch: einen Feng Shui-Ratgeber. Die pragmatische Lösung zur Rettung seines Zuhause präsentiert Ole Ziesemann in seinem Diplomfilm von 2008 (im Videocafé zu sehen).

Der älteste der wirklich kurzen Filme stammt von 1968. „Tapp und Tastkino“ hat dokumentarischen Charakter. Valie Export filmte hier ein Happening, in dem sie sich mit der sozialen Rolle der Frau und der Ablehnung des Bildes als Double des Realen auseinandersetzen – unter Beteiligung zufällig vorbeigehender Passanten.

„Ich fordere die Freiheit mit Gebrüll“ von Claire Walka verrät schon im Titel, was in den eineinhalb folgenden Minuten passiert: Claire brüllt. Sie brüllt vor der Frankfurter Skyline, in der U-Bahn, vor einem Gerichtsgebäude, vor dem Bürgeramt, und das mit vollem Körpereinsatz. Zuschauer, die Teil ihres Kurzfilms von 2005 werden, reagieren mit fassungslosem Starren oder absoluter Befremdung.
Diese Filme fordern viel vom Zuschauer: Sie springen sie an, sie strapazieren die Nerven, und doch gelingt es jedem von ihnen zu faszinieren.

Von Anne Leichtfuß und Birgit Pieplow

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Der Beitrag wurde am Samstag, den 25. April 2009 um 16:31 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

3 Reaktionen zu “Kurzweilig – im Sinne von kurz
”

  1. Witze

    Haha. Guter Beitrag :-)

  2. Jonas

    Ikea Feng Shui - die Nummer kommt mir irgendwie bekannt vor…

  3. Jonas

    In der kürze liegt die Würze… zumindest manchmal :-)

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