Eine Zusammenarbeit von Studierenden der
Fachhochschule Köln und der Technischen Universität Dortmund
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Der Eröffnungsfilm - ein Sommerfilm

Elisé, Benoit und Coco - die zurückgelassenen Geschwister in einem herrlichen Sommer

Elisé, Benoit und Coco - die zurückgelassenen Geschwister in einem herrlichen Sommer

Wenn heutzutage ein Elternteil die Familie Hals über Kopf verlässt, ist das fast schon an der Tagesordnung – Scheidungsdramen gibt es zu Genüge. In den meisten Fällen ist es dann der Vater der Reißaus nimmt. Aber auch die emanzipierte karrierebewußte Frau muss manchmal diese Entscheidung, den Mann und ihre Kinder im Stich zu lassen, treffen. In dem kanadischen Film Mommy Is At The Hairdresser´s, dessen Geschichte in den 60er Jahren spielt, verlässt überrascht auch die Mutter das idyllische Zuhause: drei Kinder zwischen etwa 6 und 15 Jahren, sowie ihren Ehemann bleiben zurück.

Die Älteste, Elisé, gibt die Zündung zu dem Entschluss der Mutter. Sie ist durch ihre sensible Aufmerksamkeit auf das Geheimnis des Vaters mit seinem Golfpartner gestoßen und fühlt sich nun der Mutter schon fast verpflichtet, ihr die Augen zu öffnen.

Nachdem Elisé ihren Vater bei einem heimlichen Telefonat ertappt, entschließt sie sich zu handeln und reicht der Mutter wortlos den Zweit-Apparat zum Mithören. In diesen wenigen stillen Sekunden in dem die Mutter das Gespräch belauscht, sieht man, wie in ihrem Gesicht der schlagartige Zusammenbruch der Familienharmonie stattfindet.

Der anfänglich so wunderbare Start in die Sommerferien der Kinder und auch der liebevolle und leichtfüßige Umgang der Familienmitglieder untereinander, der schon beinahe zu kitschig und perfekt wirkte, ist mit einem Mal dahin.

Die Mutter beschließt unverzüglich, sich als Journalistin nach London versetzen zu lassen und hinterlässt einen Scherbenhaufen: einen gebrochenen Vater, eine trotzige, aber starke Tochter, einen total in seinem Bau einer Seifenkiste vertieften Sohn und den jüngsten Nachwuchs, der ein wenig zurückgeblieben scheint, noch in die Hosen macht und seine Mutter am allermeisten vermisst.

Ein vermeindliches Scheidungsdrama auf dem ersten Blick, aber schnell wird deutlich, dass aus der Perspektive der Kinder erzählt und empfunden wird. Mit der Ausrede Mommy Is At The Hairdresser´s wehren die Kinder neugierige Fragen der Nachbarn ab und versuchen, jeder auf seine Art und Weise, diese Sommerferien im Jahre 1966 irgendwie über die Bühne zu bringen. Die Erwachsenen sind zweitrangig und auch eher zweitklassig, was die Überzeugungskraft der Schauspieler anbelangt. Die Kinder dagegen übertrumpfen sich in ihren Rollen. Elisé, gespielt von Marianne Fortier, kann in jeder Szene von ihrem Talent überzeugen, aber auch der Kleinste glänzt mit seinen jungen Jahren in seiner Rolle als Zurückgebliebener.

Es scheint, dass das Drehbuch hier und da von seinem roten Faden abkommt, da unvermittelt Szenen aneinandergereiht werden, die keinen wirklichen Zusammenhang aufweisen, wie z. B. die Annäherungen Elisés und dem Fischer oder aber auch die Kuss-Szenen. Man könnte diese „Einschübe“ aber auch als Elisés inneren und äußeren Kampf sehen, ihr Leben, ihren Sommer, trotz des Zusammenbruchs der Familie, zu einem Sommer der Liebe und Erfahrungen zu machen; ihre Ziele nicht aus den Augen zu verlieren, obwohl sie nun als Ersatzmutter für ihre Brüder herhalten muss. Ihre Wachsamkeit lässt hierbei aber auch nicht unbeobachtet, dass es auch noch andere Familien gibt, in denen es genauso wenig perfekt läuft, wie es der tadellose Bungalow, in dem sie alle in dieser Siedlung leben, vielleicht vorgaukeln sollte.

Das allerschönste an diesem Film aber sind die träumerischen und sanften Momente des kanadischen Sommers: wehende Maisfelder im Wind, Sonnenschein in jedem Winkel mit einer Prise Unbeschwertheit eingetaucht in eine Klaviermelodie, der blaue, reißende Fluss und die Lust permanent barfuss zu laufen.

Léa Pool, eine Schweiz-Kanadierin, hat mit diesem ihren 15. Film, zwar ihre immer wiederkehrenden Motive, wie Selbstfindung, Trennung und Aufbruch, aufgegriffen, wiederum verleiht dies dem Film eine gewisse Authentizität – hier versteht jemand sein Handwerk. Es wirkt nichts aufgesetzt.

Mommy Is At The Hairdesser´s ist ein berührender Jugendfilm mit einer aktuellen Thematik, doch in einer Zeit, die noch klar strukturiert war und durch nichts ablenkt, sondern ausschließlich die Gefühle der Kinder widerspiegelt. Ein Sommerfilm in einer traumhaften Kulisse.

Mommy Is At The Hairdesser´s wird während des Festivals gezeigt am:

21.04.2009, 19:30, CineStar Dortmund

23.04.2009, 14:00, Schauburg Lichtspiel & Kunsttheater

26.04.2009, 12:00, OFF Broadway Kino

Der Beitrag wurde am Sonntag, den 19. April 2009 um 09:11 Uhr veröffentlicht und wurde unter Filmrezensionen abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

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