Eine Zusammenarbeit von Studierenden der
Fachhochschule Köln und der Technischen Universität Dortmund
bild
 
 
« Fotofilmrätsel: ab heute wieder im Blog Kleine Schwester Colonia »

Wendy and Lucy - ein amerikanisches Abstiegsdrama

wendylucy_061„Lucy in the Sky with Diamonds…“ - diesen Titel hab ich seit ein paar Tagen als Ohrwurm im Kopf. Leider hat die phantastische Welt aus dem Beatle-Song nichts mit der Lucy zu tun, um die es jetzt geht:
Lucy ist eine mittelgroße, gold-gelbe und unheimlich liebenswürdige Hündin und die treue Begleiterin von Wendy. Wendy und Lucy, die beiden Titelfiguren des amerikanischen Roadmovies, sind mittellos und auf der Durchreise. Ziel ist der hohe Norden, Alaska, in der Hoffnung dort ein besseres Leben anfangen zu können.
In einem kleinen Ort in Oregon startet Wendys Wagen, der ihr als quasi als Schlafplatz dient, nicht mehr und ist der Auslöser einer Pechsträhne, die Wendy und Lucy immer weiter voneinander und auch von der amerikanischen Gesellschaft trennt. Als Wendy sich Lucy zuliebe zum Ladendiebstahl hinreißen lässt, kommt sie in Gewahrsam der Polizei und muss ihre geliebte Lucy unbeaufsichtigt zurücklassen.
Dann: Hund weg, Auto kaputt, kein Geld, kein Dach über den Kopf und zutiefst unglücklich.

Ungemein eindringlich und überzeugend bringt Michelle Williams in der Rolle der Wendy, die junge Frau, die ihr Leben in den Griff bekommen möchte, rüber. Sie ist über weite Strecken im Film ohne Begleitung oder Dialog sich selbst überlassen und schafft es eine mitfühlende Aura um sich aufzubauen. Michelle Williams, bekannt aus der Serie Dawson´s Creek oder Filmen wie Brokeback Mountain oder I´m Not There, hat sich als Darstellerin für Independent-Produktionen etabliert und hat hier eine wunderbare Performance abgelegt.

Die Regisseurin, wie auch Drehbuch-Autorin (gemeinsam mit Jonathan Raymond), Kelly Reichardt hat sich bereits als aufstrebende Independent-Regisseurin in den USA einen Namen gemacht. In Wendy und Lucy bekräftigt sie noch einmal ihr filmisches Können, mit wenigen Mitteln ein Schicksal auf die Leinwand zu zaubern, dass den sozialen Teufelkreis verdeutlicht, in den man schneller gefangen sein kann, als man möchte.

Begleitet wird der Film lediglich von dem Tuten eines entfernten Zuges und das Summen der Protagonistin, wenn sie sich ab und zu ansatzweise zufrieden schätzen kann. Ansonsten Stille, die aber keinesfalls zur Monotonie wird, sondern durch die sehr einfühlende Darstellung von Wendy aufgefangen wird - ein kleines, aber feines sozialkritisches Glanzstück dieses Festivals.

Zu sehen auf dem Internationalen Frauenfilmfestival:

25.04.2009, 21:00, Schauburg Lichtspiel & Kunsttheater
26.04.2009, 15:00, OFF Broadway Kino

Tags:

Der Beitrag wurde am Mittwoch, den 22. April 2009 um 16:24 Uhr veröffentlicht und wurde unter Filmrezensionen abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

Einen Kommentar schreiben