Eine Zusammenarbeit von Studierenden der
Fachhochschule Köln und der Technischen Universität Dortmund
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Von der Freiheit, hier zu sein

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„Freiheit ist für mich…“ – Diesen Satz sollten schon viele Gäste und MitarbeiterInnen für uns vervollständigen. „Reisen können“ war eine häufige Antwort.

Viele dachten dabei wohl an lange Urlaubsreisen. Dara Khader und Laialy Kilani können die ein oder andere Geschichte zum Thema „die Freiheit zu reisen“ beitragen. Die beiden zwanzigjährigen Studentinnen leben in Palästina und erleben dort Tag für Tag, was es bedeutet, nicht frei zu sein.

Wenn Laialy am Wochenende zu ihren Eltern in die Heimatstadt fahren möchte, kann sie sich schon darauf gefasst machen, am Checkpoint kontrolliert zu werden. „Wie lange die Kontrollen dauern, ist ganz unterschiedlich. Manchmal muss man nur seinen Pass zeigen und wird durchgewunken, an anderen Tagen müssen wir das ganze Auto ausräumen, alle Taschen auspacken und  uns abtasten lassen.“ Wenn genau kontrolliert wird, kann es schon es etwas dauern, bis sie endlich den Kontrollposten passieren dürfen, erzählen die beiden. Ganze sieben Stunden haben sie einmal warten müssen.
Was für deutsche Ohren kaum fassbar klingt (wer kann sich schon vorstellen, sieben Stunden zu warten, bis er/sie von Dortmund nach Düsseldorf fahren darf?), scheint die beiden nicht allzu sehr aufzuregen. Doch dahinter steckt Kalkül: „Die Israelis wollen, dass wir die Warterei an den Checkpoints hassen. Aber wir lassen uns nicht kleinkriegen, wir machen das Beste aus der Situation und lachen einfach darüber,“ erzählt Dara. „Es gibt schon eine ganze Menge von Witzen über die Checkpoints,“ bestätigt Laialy und ergänzt, dass die Reisenden sich Essen einpacken, das sie sich teilen, wenn die Warterei mal wieder gar kein Ende nehmen will.

Doch so lustig, wie die beiden es erzählen, ist die Situation natürlich nicht. Das wird auch deutlich, wenn die Studentinnen über ein Thema reden, dass ihnen spürbar am Herzen liegt: Jerusalem. „Jerusalem ist unsere Haupstadt und ich war trotzdem noch nie dort,“   beklagt sich Dara. Um aus dem Westjordanland nach Jerusalem zu fahren, braucht man eine besondere Genehmigung ‑ und die hat Dara noch nie bekommen. „Die ganze Welt kann nach Jerusalem reisen, die Stadt ist voll von Touristen. Nur wir Palästinsener haben diese Freiheit nicht.“ An eine Lösung des Konflikts glauben die beiden übrigens nicht: Eine Entspannung der Lage würde ihnen im Moment schon ausreichen.
Jessica Becker

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Der Beitrag wurde am Donnerstag, den 23. April 2009 um 11:15 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Outside Festival abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

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