Eine Zusammenarbeit von Studierenden der
Fachhochschule Köln und der Technischen Universität Dortmund
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Wie frei ist Barbie?

Taugt das Lieblingsspielzeug aller Mädchen zur Identifikationsfigur?

Ist Barbie frei? In diesem Jahr feierte Barbie ihren 50sten Geburtstag, und doch bleibt sie seit ihrem Einzug in die Kinderzimmer der Welt unverändert strahlend und alterslos. Auf die Frage “Ist Barbie frei?” lassen sich viele Antworten finden.

Beruflich hat sie alles erreicht: Sie war Astronautin, zwei Jahre bevor die USA zum Mond flogen. Sie war Rennfahrerin, Rockstar, Uni-Absolventin und erlangte sogar diverse militärische Ränge in der US-Armee. Sie kandidierte in den 90er Jahren mehrmals für das Amt der US-Präsidentin. Doch die Zeit schien noch nicht reif für eine Frau an der Spitze des Oval Office. Doch die Barbies, die sich am besten verkaufen, haben andere Professionen: Die Stars der Kinderzimmer sind Kinderärztin, Krankenschwester oder Stewardess. Fürsorge und Rollenklischees satt - und das auf pinkfarbenen High Heels.

Doch in der Frage nach Barbies Freiheit kann man schon Jahrtausende früher ansetzen. Einer der ersten großen Schritte zu menschlicher Freiheit war der zum aufrechten Gang vor etwa 3,6 Millionen Jahren. Und bereits an diesem Punkt scheitert Barbie. Rechnet man ihre Maße auf menschliche Proportionen um, lägen sie bei 99-46-84. Abgesehen davon, dass ihr Körper nicht genügend Raum böte, um alle lebenswichtigen Organe unterzubringen, müsste sie sich auf allen Vieren fortbewegen.
1991 kam auf Druck zahlreicher Kritiker unter dem Titel “Happy to be me” eine Barbie mit realistischeren Proportionen auf den Markt, konnte sich dort jedoch nicht halten und verschwand bald wieder von der Bildfläche.

Kein Outfit, das Barbie noch nicht getragen hätte - die neuesten Bikini-Trends genauso wie Abendroben oder Uniform. Selbst bekannte Designer wie Lagerfeld oder Dior haben Barbie schon Haute Couture auf den mageren Leib geschneidert. Die Hersteller-Firma Mattel behauptet hartnäckig, Barbies Sexualität sei vollkommen irrelevant, schließlich sei sie ein Kinderspielzeug. Doch wie glaubwürdig ist das bei einer derart sexualisierten Gummipuppe mit einer Vorliebe für hautenge Kleidung und Minirock?

Verheiratet war Barbie nie. Ihre Beziehung zu Ken wurde 1961 über Werbespots bekannt gegeben, die beiden trennten sich jedoch am Valentinstag 2005. Obwohl es seit 2007 gerüchteweise einen neuen Mann an ihrer Seite gibt, dürfte der Zug für Familienplanung mit 50 wohl abgefahren sein. Familienglück und Ehe durfte Barbie immer nur aus zweiter Hand durch ihre zahlreichen Freundinnen erleben. Ein Zeichen von Freiheit und der Abkehr von althergebrachten Rollenmodellen, oder ließen sich Ehe und Kinderreichtum nicht mit Alterslosigkeit und Modelfigur vereinbaren?

Auch politisch ist Barbie aktiv, allerdings eher im Untergrund. Das mag auf den ersten Blick verwundern, doch in vielen Regimen der Welt gab es mehr oder weniger ernsthafte Versuche, Barbie aus den Herzen der Kinder zu verbannen, schließlich kann man sich Verwestlichung drastischer kaum vorstellen. Doch selbst gesetzliche Verbote konnten ihr den Weg in die Kinderzimmer der arabischen Welt oder Chinas nicht verbauen. Freiheit?

Barbies wirtschaftlicher Erfolg sprengt alle Dimensionen: Statistisch gesehen werden weltweit drei Barbie-Puppen pro Sekunde verkauft. Ihr Bekanntheitsgrad in Deutschland beträgt 100%. Jedes deutsche Mädchen hat durchschnittlich sieben Barbies. Doch macht ein dickes Bankkonto glücklich und frei?

Hat die Unterstellung, Barbie sei unfrei und eine Geisel männlicher Idealvorstellungen, ihre Ursache in ihrer Haarfarbe und dem nicht zu übersehenden Faible für Pink? Beides macht es Frauen nicht gerade leichter, gesellschaftlich ernst genommen zu werden. Auf der Website zu Barbies fünfzigstem Geburtstag wirbt Mattel mit dem Slogan “Du bist eine Puppe. Dann lebe auch wie eine.” Ist die ganze Diskussion umsonst und Barbie nichts weiter als eine Puppe? Und doch ist sie Identifikationsfigur für Millionen von Mädchen weltweit. Ob deren Verehrung dazu führt, dass sie zum Mond fliegen oder sich auf Modelmaße herunterhungern, liegt nicht allein in Barbies Verantwortung - das macht sie frei.

Auch das Internationalen Frauenfilmfestival wäre nicht komplett ohne Barbie! Barbee Butcher läuft im Programm des Festivals in der Langen Filmnacht: http://www.frauenfilmfestival.eu/index.php?main=festival&second=movies&detail=30621

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Der Beitrag wurde am Donnerstag, den 23. April 2009 um 20:12 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Interviews, Outside Festival, Thema Freiheit abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

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