Mirjana Karanovic: Eine starke Persönlichkeit
„Mirjana ist eine großartige Künstlerin. Sie ist wie ein geheimnisvolles Instrument, das jede Regung der menschlichen Seele wiedergibt und das durch jeden Misston, selbst den kleinsten, verletzt wird. Sie spielt in mehr als nur einer Dimension, “ sagte die Regisseurin Jasmila Zbanic über Mirjana Karanovic, die als Hauptdarstellerin in ihrem Film „Esmas Geheimnis – Grbavica“ mitwirkte. Als Jurymitglied bereichert die in Belgrad geborene Karanovic das Team des Internationalen Frauenfilmfestivals. An ihrer Seite sitzen die österreichische Produzentin und Regisseurin Barbara Albert und die WDR-Redakteurin Dr. Jessica Eisermann.
Doch dieses Jahr agiert Mirjana Karanovic nicht nur als Jury-Mitglied, sondern auch in dem Eröffnungsfilm „Na Putu – On the Path“ (Regie: Jasmila Zbanic) kann man ihre schauspielerischen Künste bewundern und sich von ihrem Talent mitreißen lassen. Sie beeindruckte die Zuschauer in über 40 jugoslawischen Filmen und über 100 Theaterrollen beim Ensemble des renommierten Theaters „Jogoslovensko Dramsko Pozoriste“ in den vergangen Jahren und bekam neben dem Ruhm und Beifall auch die Schattenseiten der Schauspielerei zu spüren. 2003 erregte sie die Aufmerksamkeit der kroatischen Nationalisten, da sie als erste serbische Schauspielerin seit dem Auseinanderbrechen Jugoslawiens in dem kroatischen Film „Die Zeugen – SVJEDOCI“ eine kroatische Kriegswitwe spielte. Dies rief enorme Proteste hervor.
Doch die Rolle als Esma verschaffte ihr eindeutig mehr negative Schlagzeilen. „Sie bekam viele Drohbriefe und schlimme Hassbriefe. Sie ist eine starke Persönlichkeit, schon im Krieg kämpfte sie gegen Milosevic. Einerseits ist sie das gewöhnt, andererseits sehe ich, wie sehr es sie verletzt und auch ihre Gesundheit beeinträchtigt, “ äußerte sich Regisseurin Zbanic auf die Frage, welche Nachteile die Hauptrolle Esma mit sich gebracht hat. Der am 28. Januar 1957 geborenen Karanovic warf man Verrat des Volkes vor und auch Demütigungen seitens der serbischen Öffentlichkeit blieben nicht aus, da sie als Serbin eine muslimische Rolle annahm und eine Mutter verkörperte, die während des Krieges in Bosnien-Herzegowina von Serben missbraucht wurde.
Der preisgekrönte serbische Regisseur Emir Kusturica war so beeindruckt von den darstellerischen Künsten der 53-Jährigen, dass er sie gleich für drei seiner Filme engagierte. In „Papa ist auf Dienstreise“ eroberte sie 1985 die Herzen der internationalen Zuschauer und auch zehn Jahre später legte sie eine Glanzleistung im Film „Underground“ hin. Beide Filme des Regisseurs wurden Siegerfilme der Goldenen Palme in Cannes. „Vor Esmas Geheimnis hatte Emir Kusturica sie für eine Rolle in seinem neuen Film besetzen wollen. Jetzt ist davon keine Rede mehr“, sagte Jasmila Zbanic. Auch der Regisseur kam sich von der serbischen Schauspielerin verraten vor.
Neben ihrer Schauspielerei wurde sie im März 2009 von der „Braca Karic“ Acadamy of Arts in Belgrad zum Dekan ernannt, schon seit 1998 ist sie dort als Professorin tätig. Darüber hinaus gewann sie 2008 den „Osvajanje slobode“ Award, der für Frauen gedacht ist, die die Prinzipien der Menschrechte unterstützen und sich für die Demokratie und Toleranz in der Gesellschaft einsetzen.
Diese facettenreiche Frau gab 1980 ihr Debüt in Srdjan Karanovics „PETRIJIN VANAC“ und erhielt einige Lobeshymnen aufgrund ihrer Darstellung als analphabetische Serbin.
Wenn Ihr Interesse geweckt worden ist, dann schauen Sie sich am 14.4. um 22.30 Uhr “Na Putu” im Odeon an und machen sich selbst ein Bild von ihrer schauspielerischen Arbeit.
IMBD Filmography: http://www.imdb.de/name/nm0438905/
Filmografie (eine Auswahl)
* 1985: Papa ist auf Dienstreise
* 1995: Underground
* 2004: Das Leben ist ein Wunder
* 2005: Go West
* 2006: Esmas Geheimnis – Grbavica
* 2006: Das Fräulein
* 2008: Memory Full
* 2009: Here and There
* 2010: Na patu
Tags: Portrait
Der Beitrag wurde am Montag, den 12. April 2010 um 14:47 Uhr veröffentlicht und wurde unter Porträts abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen.