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Miss Platnum - “Queen of Balkan-R’n'B”

Man nehme eine Tasse zeitgenössische Balkan-Musik á la Goran Bregović, füge einen guten Löffel Klischees aus dem Balkan hinzu und übergieße das Ganze mit einem Schuss R’n’B á la Beyonce Knowles. Letztendlich hebe man eine geschlagene Portion Frauenpower darunter, und zur Vollendung verfeinere man das Gemisch mit dem Boban Markovic Orkestar. Fertig ist: “Musik für die gewissen Augenblicke. Party und Krawall. Heulen und Schreien. Tanzen, Lachen, Liebe, Sex und Traurigkeit“ à la Miss Platnum.

Die ersten acht Lebensjahre hat Ruth Maria Renner auf den Karpaten mitsamt den Wölfen und Bären verbracht – auf einer Wetterstation, wo ihre Eltern beruflich als Meteorologen tätig waren. Dort besuchte sie einen deutsch-rumänischen Kindergarten. Dann kam der Umbruch: Ihre Eltern flüchteten 1989 vor der Unterdrückung durch Ceauşescu nach Berlin. Acht Monate später folgten ihr Bruder und sie den Eltern nach Deutschland.

Die ersten Songs trällerte sie in einem Kinderchor, daraufhin folgte Gesangsunterricht bei der US-amerikanischen Jazz-Sängerin Jocelyn B. Smith, dann kamen die ersten Jobs als Studio- und Backgroundsängerin ins Haus geflattert. Doch immer wieder die gleiche Show, immer wieder das gleiche Outfit und immer wieder die gleiche Musik. Das ist genau das, was sie nicht wollte. Ihr war und ist es wichtig, dass die Konzertbesucher eine Entertainment-Show erhalten. Entertainment von der ersten Stunde an, seit sie als Support von Seeed, den Fantastischen Vier und Peter Fox auf den Bühnen Deutschlands unterwegs war.

Miss Platnum ist eine Kunstfigur, die die gebürtige Rumänin Ruth Maria Renner geschaffen hat. Als selbsternannte „Queen of Balkan-R’n’B“ hat Miss Platnum das klassische Bild der Frau des R’n’B-Sektors durchbrochen und machte die Vorurteile über ihr Herkunftsland Rumänien zu ihrem Markenzeichen.

R’n’B ist das, was sie gerne hört und auch gerne produziert, doch erscheint kein glattgebügeltes Püppchen wie Beyonce Knowles oder Rihanna auf der Bühne, sondern eine Miss Platnum – so wie ihr Name klingt: groß, glänzend und glamourös. Ihre Backgroundsängerinnen tragen bei ihren Shows typische Balkan-Outfits mit hausmütterlichen Schürzen, Miss Platnum selbst trägt dick Goldschmuck und Bling-Bling, alles im Sinne des Balkan-Klischees. Die Musik klingt wie Balkan-Pop und auch doch nicht wie Balkan-Pop. Anders halt … und das ist das, was sie auch wollte: anders als die Anderen sein.

Als ein Kind der 80er-Jahre schätzt sie Musik mit Synthesizer-Sounds. Zudem liebt sie die Folklore aus dem Balkan. Mit ihrer weiblichen Pimpin’-Attitüde und mit dem Balkan-Akzent schafft sie es, den Balkan-Beat mit R’n’B und HipHop zu vermischen und kreiert mit ihrem zweiten Album „Chefa“ ihre eigene Musikrichtung: Balkan-R’n’B.

Ihr Akzent, ihre tiefe, raue Stimme und ihr Spiel mit den Balkan-Klischees – das ist das, was Miss Platnum ausmacht. Angetrieben von der Idee, etwas zu bringen, was immer interessant bleibt und nie langweilig wird. Genau wie bei ihren Shows. Ihre Songs handeln von Wut, Trauer, Zorn, Schmerz, aber auch von Freude und Liebe.

Heute ist sie mit ihrer neunköpfigen Band in ganz Deutschland unterwegs und gestattet ihrem Publikum mit ihren Live-Auftritten einen Ausflug in die BalkanBrass-Welt: natürlich mit ihrer eigens kredenzten Balkan-R’n’B-Musik.

Das dritte und aktuellste Album „The Sweetest Hangover“ von Miss Platnum ist im September 2009 erschienen.

Hörproben gibt’s auf ihrer Website und auf MySpace.

Abbildung/Foto: Armin Morbach | Four Music

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Der Beitrag wurde am Montag, den 12. April 2010 um 20:55 Uhr veröffentlicht und wurde unter Outside Festival, Porträts abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen.

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