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Kölner Kinolandschaft

Filmpalast KölnDas einzige Kino in der Kölner Innenstadt, das dem Cinedom am Hansaring Konkurrenz machen konnte, der Filmpalast auf dem Hohenzollernring, hat die Türen nun endgültig verriegelt. Seit Jahren schon schließen Kölner Kinos, da die Betreiber die teuren Pacht- und Mietpreise in der Kölner Innenstadt nicht bezahlen können. Dass es nun ein vergleichsweise großes Lichtspielhaus getroffen hat, ist neu. Wie aber steht es zurzeit um die Kölner Programmkinos? Inwiefern sind sie von der Schließung des ehemaligen Ufa-Palasts betroffen und müssen nun auch die wenigen Arthouse-Kinos, die es in Köln noch gibt, um ihre Zukunft bangen?

Da immer weniger Menschen ins Kino gehen, scheint es fast denkbar, dass es in absehbarer Zeit nur noch ein einziges großes Kino am Stadtrand geben könnte. Dies wäre natürlich ausgestattet mit mehreren imposanten Sälen, die allesamt über die 3D-Technik verfügen würden. Jenes Kino würde ein einzigartiges Kinoerlebnis versprechen, mit dem das Heimkino nicht mithalten könnte.

Christian Schmalz, Kinobetreiber und Geschäftsführer des OFF Broadway, ist überzeugt davon, dass derartige Gedankenspiele keine Realität werden. Es sei zwar möglich, dass die Kinos auch zukünftig aus der Innenstadt verdrängt würden, aber das „Kino als Kulturinstitution“ werde weiterhin existieren.

Dass es ein interessiertes Publikum gibt, das sich Filme nicht nur im Internet oder auf DVD, sondern noch immer im Kino ansieht, beobachten vor allem die Betreiber von Arthouse-Kinos. Denn obwohl die Besucherzahlen gemessen an allen deutschen Kinos insgesamt gesunken sind, betreffe der Besucherrückgang die Programmkinos kaum, wie Christian Schmalz und Eva Matlok, Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Kino - Gilde deutscher Filmkunsttheater e.V., bestätigen. Bundesweit sei auch die Zahl der Programmkinos konstant, so Eva Matlok. Das liege daran, dass sich die Kinos ein eigenes Profil erarbeitet und ein Stammpublikum hätten.

Demgegenüber steht die Tatsache, dass in Köln in den letzten Jahren einige Filmkunstkinos schließen mussten. Gründe dafür sind weder ein Besucherrückgang noch miserables Wirtschaften, sondern vor allem die hohen Mietpreise im Kölner Stadtgebiet und die geringen Gewinne der Kinobetreiber.

Damit nicht alle Kinos aus der Innenstadt verbannt werden, schlägt Christian Schmalz der Stadt Köln vor Nutzungspläne für die Innenstadt zu erstellen. Ein Ziel müsse es sein, ein „heterogenes Gemisch an Angeboten“ in der Innenstadt zu erreichen. Was er meint, ist die Schaffung von „sozialem Leben“ in der Innenstadt. Kneipen, Clubs und Kinos bieten den Bürgern Anreize sich auch nach Ladenschluss noch in der Stadt aufzuhalten. Gerade Kulturinstitutionen, so der Tenor, sollten sich auch in der Innenstadt ansiedeln können. Dass öffentliche Förderung von Kinos funktionieren kann, zeigen Beispiele aus anderen Städten. In Oberhausen etwa habe die öffentliche Hand dafür gesorgt, dass ein Teil der Innenstadt den Menschen auch am Abend noch etwas biete, ergänzt Dirk Steinkühler den Gedanken, selbst Kinobetreiber der Filmpalette.

Die Schließung des Filmpalasts betrifft auch die Programmkinos, da „die Stimmung für Kino immer dann schlechter wird, wenn ein Kino wegfällt“, so Dirk Steinkühler. Dabei sei es egal, ob es ein großes oder ein kleines Kino sei, denn weniger Kinos bedeuten gleichzeitig weniger Säle. Wenn der Kinobesucher einen bestimmten Film nicht im Kino sehen kann, weil ein Saal voll ist, drückt das verständlicherweise die Stimmung des Filmfreundes.

Außerdem ergeben sich durch die Schließung des Filmpalasts Konsequenzen, die die Programmkinos unmittelbar betreffen. Vor dem Hintergrund, dass der Cinedom nun Monopolist hinsichtlich der Präsentation von Blockbustern ist, setzt Christian Schmalz beim Verleih an und argumentiert, dass der Druck für Programmkinos jetzt noch größer werde, auch Filme zu spielen, die eigentlich nicht ins Programmprofil passen. Offen bleibt, wo die Arthouse-Filme laufen sollen, wenn die Filmkunstkinos Mainstream-Filme ins Programm nehmen.

Darüber hinaus sind die Programmkinos nicht mit der teuren 3D-Technik ausgestattet. Zur Zeit geht es den Programmkinos erst einmal darum, überhaupt die digitale 2D-Projektion einzuführen, aber auch dafür fehlt das Geld. Eine Leinwand zu digitalisieren koste rund 70.000 Euro, die 3D-Projektion mehr als 100.000 Euro, so Eva Matlok. Dies aus eigener Kraft zu finanzieren sei gerade für kleinere Kinos enorm schwierig.

Über den Vorwurf in einem Internetforum, dass Köln nur noch ein „provinzielles Kinoangebot“ biete, können Christian Schmalz und Dirk Steinkühler nur den Kopf schütteln. Es gibt im Kölner Stadtgebiet momentan ein großes Kino, das die Blockbuster und Mainstream-Filme zeigt und daneben acht Programmkinos, die unterschiedliche inhaltliche Schwerpunkte setzen. In Köln, versichert Dirk Steinkühler, werde jeder Film angeboten, der auf den Markt kommt, nur in der Regel nicht über einen langen Zeitraum. Wenn das Publikum einen Film nicht sehen möchte, dann wird er eben schnell wieder aus dem Programm gestrichen. Letztlich dürfe man sich aber nicht beklagen, findet Christian Schmalz, denn „Köln hat schon noch ein gutes Kinoangebot“.

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Der Beitrag wurde am Mittwoch, den 14. April 2010 um 08:04 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Outside Festival abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen.

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