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Champion - Leidenschaft zwischen Kampf und Sex

Ein Film – drei unterschiedliche Sichtweisen! Der pornografische Film „Champion: Love Hurts“ zeigt in erster Linie Frauen beim Sex. „Champion“ weckte unter den Festival-Bloggern und -Bloggerinnen verschiedene Erwartungen und sorgte für Erstaunen und Verwirrung. Zwei Frauen und ein Mann schildern ihre Eindrücke.

Leidenschaftliche Brutalität statt knisternder Erotik

Die Regisseurin des Films, Shine Louise Houston, ist zugleich Gründerin von Pink and White Productions, einer Produktionsfirma, die sich auf Queer-Pornos spezialisiert hat. Der Lesbenporno „Champion“, gedreht von einer Frau, verspricht daher, nicht nur Männer, sondern auch Frauen anzusprechen. Doch knisternde Erotik in ästhetischen Bildern, wie sie in „The L Word“ vorkommen, der ersten amerikanischen Fernsehserie, die sich fast ausschließlich um Lesben dreht, findet nicht statt.

Im Gegenteil, es geht vor allem zu Beginn leidenschaftlich brutal zu zwischen der Hauptdarstellerin Jessie (gespielt von Syd Blakovich), einer tätowierten Boxerin mit kurzen Haaren, die vor dem Sex noch einen großen Schluck Whiskey aus der Flasche trinkt, und ihrer erregten Bettpartnerin, die beim Sex von der Boxerin gekniffen, geschlagen und gewürgt wird. Das sind abschreckende Bilder einer Klischee-Lesbe, die immerhin mit einem Vorurteil aufräumen: Lesbischer Sex muss sich nicht auf zärtliche Streicheleinheiten beschränken.

Männer tauchen in dem Film nicht auf, wohl aber ein bärtiger Transgender in rotem Spitzenhöschen, der sich mit einer Frau vergnügt, die sich stöhnend seinen rasanten Stößen hingibt. Die Dialoge im Film beschränken sich verständlicherweise auf ein Minimum. Schließlich geht es in einem pornografischen Film nicht vorrangig um das Erzählen einer Geschichte, sondern um scharfe und ausgeleuchtete Bilder kopulierender DarstellerInnen. „Champion“ ist ein sehr direkter Film über hemmungslosen Sex zwischen Frauen, aber dennoch alles andere als ein Aufklärungsfilm über lesbische Liebe! (Tina Reymann)

Kein Happy End mit Hochzeitsglocken

Hätte jemand darauf gehofft, dass ein feministischer – in diesem Fall sogar lesbischer – Pornofilm mit einer tiefgründigen Handlung und einem Happy End mit Hochzeitsglocken aufwartet, so läge er falsch. Denn entgegen feinfühliger Weiblichkeit geht es bei „Champion“ richtig zur Sache, was zart besaiteten Zuschauern garantiert die Schamesröte ins Gesicht treibt.

„Champion“ von Louise Shine Houston vereint eigentlich alles, was man von einem konventionellen Pornofilm erwartet: Sex, Sex und nochmals Sex. Allerdings greift dieser im Gegensatz zu „männlichen“ Pornos die weibliche Sexualität extrem lang, extrem nah und extrem deutlich in Großaufnahme auf. Hier wird nicht auf die schnelle Nummer gesetzt, sondern auf die abwechslungsreiche Sexualität von Frauen, die zwischen Lust und Leid schwanken.

Denn Leid erfährt die Protagonistin in ihrem Beruf als Boxerin, und zwar indem ihre Gegnerin im Ring gleichzeitig ihre Partnerin im Bett ist. Das hat zur Folge, dass sie ihrem Ruf als Champion nicht mehr gerecht wird und sich zwischen Kampf und Sex entscheiden muss. Zudem wird sie in einen persönlichen Kampf gegen ihre Homosexualität gedrängt, weil diese in einem männerdominierten Sport nicht gern gesehen wird.

Kampf, der zu Sex anregt, Sex, der Emotionen hervorruft und Emotionen, die Kampf verhindern – ein Pornofilm mit verworrener Handlung, der in einigen Augenblicken sogar zum Nachdenken über den Umgang mit Homosexualität in der Gesellschaft anregt. (Johanna Chylewski)

Love Hurts - Aua!

Die Sektion begehrt! filmlust & queer legt ihren Fokus auf Filme, die unterschiedlichste Perspektiven und Vorstellungen von Sexualität, Verlangen und Identität abbilden. Der in dieser Rubrik gezeigte Lesben-Porno “Champion” zeigt dann auch eigenwillig anmutende Ausführungen des Liebesaktes zwischen Frauen. Die Handlung ist, wie bei Pornos üblich, dürftig und daher nebensächlich. Die ausdauernden und leidenschaftlichen Sexszenen zwischen den Darstellerinnen erscheinen dafür umso facettenreicher. Hier wird gefistet, geschlagen und geschrien. Zudem ausdauernd penetriert, geleckt, gekratzt und gebissen. Alles ein bisschen lauter und härter als bei handelsüblichen Pornos.

“Champion” kommt  ungeschminkt daher. Wenig Licht, wenig Make-up, dafür viel Frau en detail. Man(n) sieht hier keine blankrasierten Nymphen, die ihren Körper phantasiegerecht in die Kamera halten. Hier trägt Frau Haar. Überall. Und Frau genießt. Hemmungslos und laut.

Shine Louise Houston hat einen Porno-Film für Frauen produziert. Ein Nischenprodukt. Man(n) mag und darf andere Vorstellungen von einem gelungenen Porno haben, nichtsdestotrotz hat “Champion” seine Berechtigung. Er zeigt Spielarten von lesbischem Sex und bildet damit sexuelle und kulturelle Vielfalt ab. (Adrian Bolz)

Champion: Love Hurts mit dem Vorfilm Dirty Diaries: Samstag, 17. April 2010, 22:00h, Filmpalette

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Der Beitrag wurde am Donnerstag, den 15. April 2010 um 17:02 Uhr veröffentlicht und wurde unter Filmrezensionen abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen.

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