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Isa Hesse-Rabinovitch - Porträt einer Filmpionierin

isa_3509Isa Hesse-Rabinovitch war in jeglicher Beziehung eine Ausnahmeerscheinung und ging immer ihren eigenen Weg. Das findet auch das Internationale Frauenfilmfestival Dortmund|Köln und zeigt deshalb am 16. April um 15.00 Uhr im Odeon 2 eine Dokumentation über Isa Hesse-Rabinovitch. Sie ließ sich nie von der Tatsache, dass die Filmszene eine reine Männerwelt war, beirren. Isa drehte ihre Filme nach ihrem eigenen Prinzip.

Am liebsten arbeitete sie mit einem kleinen kreativen Team. Es gab nie ein Drehbuch oder Notizen, sie arbeitete mit Diagrammen und Collagen. Der Zufall und Improvisation machten ihre Filme so einzigartig. Isa engagierte sich sehr stark für ihre Filme und feierte weltweite Erfolge. Bereits 1975 organisierte sie das erste Frauenfilmfestival in der Schweiz.Jeder Film ist eine Liebesbeziehung; daraus entsteht ein Kind; das ist der neue Film. Dieser muss geleitet werden bis er selbstständig wird und in die Welt entlassen werden kann. So wird man wieder frei für einen neuen Neubeginn“, so Isa´s Worte.

Isa ist am 19. Dezember 1917 in Zürich auf die Welt gekommen. Ihr Vater, Gregor Rabinovitch, ist ein russischer Jude und arbeitet als Radierer. Ihre Mutter, Stefanie von Bach, ist eine protestantische Adelige aus Österreich und ist Malerin. Isabella wächst als Einzelkind in einem Künstleratelier auf , das erste Künstleratelier der Stadt Zürich. Isa ist in ihrer Kindheit nur von KünstlerInnen umgeben und besuchte schon früh Ausstellungen. Die Familie lebt oft von Kunst gegen Ware. Beispielsweise tauschte ihr Vater eine Radierung gegen eine Zahnbehandlung. Die Tatsache, dass sie als Einzelkindvorwiegend ihre Zeit mit erwachsenen Künstlern verbrachte, gab ihr oft das Gefühl eine Aussenseiterin zu sein. Sie selbst sagte: „Ich versuche mir aus dem Fremdsein und Aussenseiterdasein einen Stolz zu basteln.“

isa-hesse-rabinovitch_008Dennoch folgte Isa den künstlerischen Weg ihrer Eltern und begann ein Studium an der Kunstgewerbeschule in Zürich. Nach einem Studien-Semester entschied sich jedoch für die Praxis und beginnt eine Lehre als Grafikerin. Dank eines Stipendiums eines Familienfreundes kann sie 1936 in Wien an der Kunstgewerbeschule studieren. Für Isa bedeutete Wien: politisches Kabarett, ein Stammcafé, Preise für ihre Entwürfe und Plakate. Mit dem Nationalsozialismus 1939 muss sie das Studium abbrechen und kehrte nach Zürich zurück.

Isa will auf eigenen Beinen stehen und beginnt als Illustratorin zu arbeiten. 1941 heiratet sie Heiner Hesse, einen Sohn des Schriftstellers Hermann Hesse und haben insgesamt drei Kinder: Silver, Eva und David. Das Paar trennt sich 1976. Isa engagierte sich damals sehr stark für die Rechte der Frauen und vor allem für das Frauenstimmrecht ein. Sie entwarf für den Abstimmungskampf ein sehr provokantes Faltblatt. Neben dem Zeichnen fängt sich an zu Schreiben und ist nun im In- und Ausland für Reportagen unterwegs. Ihre Reiseberichte fanden sehr großen Anklang. In den 50ern bildet Isa sich eher autodidaktisch zur Fotografin aus und von nun an reiste sie mit Skizzenblock und Fotokamera. Schon bald zeigte sie ihre Fotos, die sie auf vielen Teilen der Erde machte, auf ersten Ausstellungen.

img01Im Alter von 50 Jahren begann Isa sich mit dem Film zu beschäftigen. „Alles änderte sich, als ich eine kleine Filmkamera in die Hand nahm und farbig, bewegte Bilder festhielt und diese zu einer Geschichte fügte.“ Obwohl die Filmszene damals, wie noch heute, sehr stark von Männern dominiert war, leitete sie eine neue Ära in Kurzfilmen ein. Das dazu führte zu einer internationalen Anerkennung erhielt. 1972 eröffnet sie mit ihrem Film „Spiegelei“ das weltweit erste Frauenfilmfestival und eröffnet 1982 in New York das Kino Imoma. 1985 stirbt ihr geliebter Vater und sie montiert Jahre später einen Film auf Grund seines Selbstportraits und seines Lieblingsliedes.

Als 60jährige experimentiert sie mit dem damals neuen Medium – Video. Sie dreht zahlreiche Filmportraits, Experimentalfilme und Dokumentarfilme. Ab 1990 lebte Isa Hesse-Rabinovitch meist im Tessin. Sie veröffentlichte noch ein Buch über ihren Vater und organisierte Ausstellungen. Sie stirbt im Alter von 85 in Küsnacht und hinterlässt über 30 Filme und Experimentalvideos.

Isa Hesse-Rabinovitch war eine Frau, die Mut machte – nicht nur mit ihrer Arbeit und ihrer Art, sondern auch ganz konkret: Indem sie mich aufforderte, meine eigenen Filme zu machen. Heute gibt es in der Schweiz viele junge und auch erfolgreiche Regisseurinnen – doch in den 1980er Jahren war es alles andere als Selbstverständlichkeit, dass Frauen auch hinter der Kamera standen und eigene Geschichten erzählten.“ Das sind die Worte von Anka Schmid, die die Regisseurin des 52minütigen Dokumetarfilms über Isa Hesse-Rabinovitch ist. Die Dokumentation ist eine spielerische Mischung aus Archivmaterial, Werkausschnitten und Interviews mit WeggefährtInnen.

Ihre Werke

  • Spiegelei (1969)

  • Monumento Moritat (1969)

  • Viele Grüße aus…(1970)

  • Der Rote Blau (1971)

  • Über einen Teppich (1972)

  • Notizen über Annemie Fontana (1969-72)

  • Tell Spott (1974)

  • Julie from Ohio (1978)

  • Un simbolo del nostro tempo (1978)

  • Sirenen-Eiland (1981/82)

  • Schlangenzauber (1984)

  • Geister & Gäste (1989)

  • Lilith (1984)

  • Hautnah (1985)

  • Body Body Blues (1986)

  • Das grosse Spiel des Lebens (1994)

  • Das grosse Spiel Film (1998)

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Der Beitrag wurde am Donnerstag, den 15. April 2010 um 18:23 Uhr veröffentlicht und wurde unter Porträts abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen.

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