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Greta M. - die inflexible Frau

eineflexiblefrau_scene_01Das Spielfilm-Debüt “Eine flexible Frau” von Tatjana Turanskyj ist schon ein kleiner Brocken: So viele Szenen, aneinandergereiht, die kaum Zeit lassen, sie entsprechend zu reflektieren. In einem Satz gesagt, geht es um eine gescheiterte 40-jährige arbeitslose ungeliebte Architektin, die außer mit sich selbst auch mit der Stadt-Entwicklung von Berlin unzufrieden ist.

Der Film fängt an, wie er später aufhören wird – verwirrend, betrunken, torkelnd. Greta, eine Frau, die selbst von sich sagt, dass das Beste, was sie kann, trinken ist, ist vor allem eins: einsam. Sie hat zwar ein paar verrückte Freunde, die aber, wenn sie tatsächlich Hilfe bei ihnen sucht, sie nicht unterstützen. Auch ihr 12-jähriger Sohn Lukas hat “keinen Bock mehr” auf sie. Bei einem Übergangsjob in einem Call-Center für den Verkauf von Fertighäusern versagt Greta ebenfalls. Ihr fehlen der Wille und der Mut, sich anzupassen.

“Eine flexible Frau” ist laut Tatjana Turanskyj als Ironie zu verstehen, sie “wollte die ökonomischen Zwänge unserer Zeit darstellen und wie sie sich gerade auf Frauen auswirken.” Ob ich das so ohne weiteres bemerkt hätte, während ich den Film sah, muss ich bezweifeln. Experimentell ist er – nicht so leicht zugänglich. Aber mir haben die einzelnen Szenen, die so unmittelbar in den Film “hineingeworfen” scheinen, sehr gut gefallen. Dazu gehört zum Beispiel das Treffen mit der Lehrerin ihres 12-jährigen Sohnes, das in einem Besäufnis endet. Auch ihr Termin bei der Kosmetikerin oder ihr zweifaches Tête-à-tête mit einer trinkenden Arbeitsamt-Mitarbeiterin sind amüsant-bizarre Auftritte.

eineflexiblefrau_scene_02Viele Szenen wirken künstlich, die Schauspieler agieren eher übertrieben, ähnlich wie auf einer Theaterbühne. Stakkatoartig verlassen präzise Sätze die Lippen der Darsteller. Abwechselnd finden die Szenen in der einsamen Natur oder am „Kotti”, dem Kottbusser Tor, bzw. anderen belebten und beliebten Berliner Stadtteilen und ihren typischen Locations statt. Bemerkenswert ist außerdem auch die Kostümauswahl: sehr bewusst modisch und sophistisch, Berliner 80er-Jahre-Chic. Dass die Regisseurin so detailverliebt und so nah am Bühnenwerk arbeitet, liegt sicher in ihrer bisherigen Theatererfahrung als Darstellerin, aber auch ihren Tätigkeiten im Video-, Film- und Performancebereich.

Viele, viele Ansätze, die dieser Film bietet, um über ihn zu diskutieren und auch ihn zu analysieren. Ich denke, auf diesem Festival hat er einen sehr guten Platz gefunden, um sich zu präsentieren. “Eine flexible Frau” wurde bereits dieses Jahr auf der Berlinale im Internationalen Forum des Jungen Films gezeigt und fand dort auch schon seine Sympathisanten.

>> Termin: 17.04.2010, 17:30, Odeon Lichtspieltheater

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 16. April 2010 um 21:34 Uhr veröffentlicht und wurde unter Filmrezensionen abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen.

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