Ein Projekt von Studierenden des Studiengangs
Online-Redakteur der Fachhochschule Köln
bild
 
 
« Umfrage - Warum überhaupt noch ins Kino gehen? Schockierende Homophobie in Osteuropa »

Interview mit Jurorin Jessica Eisermann - Redaktionsleiterin von einsfestival

eisermann-12094924253Eines der drei Jury-Mitglieder für den Internationalen Debüt-Spielfilmwettbewerb ist Dr. Jessica Eisermann. Seit 2009 ist sie Redaktionsleiterin des Digital-Programms einsfestival beim WDR. Sie studierte Soziologie, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft, Kunstgeschichte und politische Wissenschaft. Von 1993 bis 1997 war sie Stipendiatin am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz, wo sie 1999 über das Thema “Mediengewalt: Die gesellschaftliche Kontrolle von Gewaltdarstellungen im Fernsehen” ihre Dissertation schrieb.


Festivalblog: Wie kam es zu Ihrer Mitarbeit in der Jury des Internationalen Debüt-Spielfilmwettbewerbs?

Dr. Jessica Eisermann: Zwischen dem WDR und dem IFFF besteht eine Tradition, dass Mitarbeiter bzw. Kollegen vom IFFF angefragt werden und gerne miteinander kooperieren. Dieses Jahr wurde ich von unserer Fernsehfilmchefin, Barbara Bühl, empfohlen und darüber habe ich mich sehr gefreut.

Festivalblog: Was fasziniert Sie am IFFF?

Dr. Jessica Eisermann: Für mich schließt sich hier ein kleiner Kreis. Ich habe schon vor ungefähr 25 Jahren mitbekommen, als ich angefangen habe hier in Köln zu studieren, wie die Feminale e.V. gegründet worden ist und habe sie lange verfolgt. Durch mein Auslandsstudium war dies dann lange nicht möglich und jetzt habe ich mit Interesse und Bedauern die Fusion der beiden Festivals verfolgt. Ausserdem traf ich eben eine ehemalige Studienkollegin, was immer sehr schön ist, vor allem dann, wenn es aufgrund beruflicher Zusammenhänge ist.

Festivalblog: Haben Sie einen Lieblingsfilm?

Dr. Jessica Eisermann: Mein momentaner Lieblingsfilm ist Zeiten des Aufruhrs (Revolutionary Road), allerdings von einem männlichen Regisseur. Ausserdem bin ich sehr stolz auf die WDR-Filmproduktion Berlin Calling. Es ist ein Film des deutschen Regisseurs Hannes Stöhr, der in der Szene der elektronischen Musik spielt. Die Hauptrolle spielt der als Live-Act und Produzent bekannte Paul Kalkbrenner.

Festivalblog: Würden auch Sie gerne mal einen Film drehen?

Dr. Jessica Eisermann: In Regisseuren/innen „brennt“ ein gewisses Feuer, und durch mein Studium merkte ich sehr früh, dass mein Feuer dafür nicht ausreichte. Andererseits bemerkte ich dafür, dass ich in anderen Dingen gut bin: Menschen, die Brennen zu unterstützen. Ausserdem hört man sehr oft, dass man an den Filmhochschulen gelehrt bekommt, ein „Arschloch“ zu sein, und das alles stand mir nicht zur Verfügung. Dafür, dass ich das alles herausfinden konnte und mich heute trotzdem mit diesen Inhalten beschäftige, bin ich sehr dankbar.

Festivalblog: Auf der Homepage des IFFF steht, dass noch immer die Regel gilt: Je höher das Budget und je höher das finanzielle Risiko, das mit einer Filmproduktion verbunden ist, desto seltener findet man eine Frau auf dem Regiestuhl.
Sie haben, als wichtige Frau beim WDR, doch sicher Einblicke in diese Thematik und eine Meinung dazu?

Dr. Jessica Eisermann: Ich kenne es aus beruflichen Zusammenhängen, dass bei Frauen natürlich immer die Möglichkeit besteht, dass sie schwanger werden und das stellt selbst für aufgeklärte, gleichberechtigt, denkende Männer ein Risiko dar. Ich bin immer der Auffassung, dass man das nicht negieren darf, sondern man muss das klar machen und das Risiko auffangen. Arbeitet man allerdings projektbezogen, sowie das eben in der Filmproduktion ist, dann kann evtl. ein ganzes Projekt platzen oder zusätzliche, nicht eingeplante Kosten entstehen – so leite ich mir das jetzt her. Aus kaufmännischer Sicht betrachtet, ist es etwas worüber man zumindest nachdenken muss oder sollte, was nicht gleich heißt, dass man etwas gegen Frauen hat.

Festivalblog: Warum hat sich Ihrer Meinung nach im Laufe der Jahre diesbezüglich so wenig verändert?

Dr. Jessica Eisermann: Das sind fest verankerte Strukturen. Wenn man als Regisseur oder Produzent beigebracht bekommt, dass man Verhaltensweisen an den Tag legen muss, die eben viel mit Testosteron zu tun haben, ist es schwierig, als Frau da einen angemessenen Stil zu finden, ohne das man sich dann sofort angreifbar macht. Dies hat dann auch viel mit Frauenselbstbildern zu tun, weil eben das gleiche Verhalten bei einer Frau ganz anders gedeutet wird als bei einem Mann. Bei einem Mann wird es positiv bewertet und eine Frau, die ist dann eine unerträgliche Ziege und/oder hysterisch. Es gibt auch andere Formen, und das ist eben zu wenig entwickelt, Filme zu machen, in Teams zusammen zu arbeiten. Es gibt mittlerweile auch viele Männer z.B. in meinem beruflichen Zusammenhang, die lieber mit Frauen zusammenarbeiten. Gerade weil es eben teamorientierter und gleichberechtigter ist und man eben diese hierarchische Struktur dann vielleicht doch nicht so braucht. Ich würde das nicht verallgemeinern. Ich bin Soziologin und möchte das auch gar nicht werten, ich sehe nur, dass es diese Unterschiede gibt.

Festivalblog: Sie haben als Frau sehr viel in der Medienwelt erreicht. Haben Sie vielleicht einen Rat für (junge) Frauen, die evtl. denselben oder einen ähnlichen Weg einschlagen wollen?

Dr. Jessica Eisermann: Wichtig ist, dass man herausfindet, was einem leidenschaftlich Spaß bereitet und damit dann Geld verdient. Es ist etwas unglaublich Schönes und Befriedigendes, wenn man mit dem, was man wirklich gerne tut, Geld verdient. Manchmal ist es schwierig, je nach dem aus was für Milieus oder Verhältnissen man stammt, die richtige Unterstützung und Einstellung zu haben. Wird einem in der Sozialisation nicht vorgelebt, wie wichtig es ist, einen Beruf zu haben, der einen ausfüllt, wird es später schwierig Beruf und Spaß zu verbinden. Da hat man, wenn man aus bildungsbürgerlichen Schichten kommt, wo das alles anders bewertet wird, ungeheure Vorteile.

Tags: , ,

Der Beitrag wurde am Freitag, den 16. April 2010 um 17:46 Uhr veröffentlicht und wurde unter Interviews abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen.

Einen Kommentar schreiben