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Queer Animation - Homosexualität in Trickfilmen

LezzieflickLeblosem Material Geist beziehungsweise Leben einhauchen. So oder so ähnlich lässt sich Animation übersetzen und es beschreibt im Grunde genau das, was Animationsfilme machen. In Sachen Material ist das Spektrum groß: von klassischen Zeichnungen über Knete bis hin zu Computeranimationen. Diese Art der Darstellung von bewegten Bildern ist allerdings schon wesentlich älter als der Film selbst. Bereits im alten Ägypten wurden Bewegungsabläufe zeichentrickartig hintereinander gemalt.

Um den Festivalgästen einen möglichst umfassenden Einblick in Queer Animation zu geben, wurde Karin Wehn eingeladen. Sie arbeitet als Kuratorin für verschiedene internationale Festivals und beschäftigt sich beruflich insbesondere mit Animationsfilmen im Internet. In einer Einführung bedauerte Wehn, dass Animationsfilme, obwohl sie nach wesentlich mehr Kreativität verlangen als Spielfilme, immer noch ein Nischenprodukt sind. Dabei werden gerade Animationsfilme von der breiten Masse falsch verstanden, da diese nicht ausschließlich für Kinder produziert werden. Queer Animation ist dafür ein gutes Beispiel: Dieses Genre, fast überwiegend für Erwachsene produziert, will sich von herkömmlichen Animationsfilmen abgrenzen, in denen es sich nur um heterosexuelle Beziehungen und Liebschaften dreht.

Der erste Film, der bei Queer Animation gezeigt wurde, war Candy Kisses von Allyson Mitchell. Dieser Film markiert die Grenze zur Queer Animation: Das gezeigte Paar ist nicht eindeutig als queer zu identifizieren.

Im Film La Différence von Rita Küng wiederum verschwimmen eher die Grenzen zwischen Frau und Mann: ein Transvestit, als Frau gekleidet, sitzt an einer Bar und träumt von der Sinnlichkeit einer Frau. Auf der Toilette trifft er auf den Barkeeper, der sich allerdings wiederum als Transvestit outet und sich ihm als Frau zeigt. Ein sehr interessanter und sehenswerter Kurzfilm.

Eher pornografisch ist Lezzieflick, das neuste Werk von Nana Swiczinsky. Auf sehr künstlerische Art und Weise werden hier die Sexszenen darstellt: sie sind moiréartig verzerrt. Aus den alten Szenen “entschlüpfen” die neuen Szenen wie aus einer Blase.

Der Animationskurzfilm Tomboy von Joanna Griebel zeigte später recht eindrucksvoll, dass Versuche, eine scheinbar im falschen Körper geborene Person umzupolen, nicht effektiv sein können. Menschen, in diesem Falle ein Kind, sind  Individuen, die einen eigenen Willen haben – und ihn auch behalten, obwohl die Umwelt versucht, sie zu brechen.

Animationen, so könnte man sagen, bringen gerade durch ihre Machart die Leute mehr zum Nachdenken, als es Dokumentarfilme können. Dies liegt vor allem daran, dass bei einer Animation kein “Einzelschicksal” dargestellt wird, sondern mehr eine schemenhafte oder schematische Darstellung der Wirklichkeit.

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 16. April 2010 um 14:19 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Inside Festival abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen.

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