Schockierende Homophobie in Osteuropa
Inakzeptanz und Übergriffe gegen Homosexuelle in den religiös stark verwurzelten osteuropäischen Ländern sind kein Geheimnis mehr. Dass das Ausmaß im 21. Jahrhundert aber so extrem ist, wie im nachfolgenden Bericht beschrieben, dürfte Manche wundern. In erster Linie soll an dieser Stelle aber informiert, aufgerüttelt und vor allem die Energie geweckt werden, für Toleranz und Aufklärung zu kämpfen und einzustehen.
Die Ost-Kirchen predigen, Homosexualität sei nicht von Gott gewollt, aber eine heilbare Krankheit. In einer Weihnachtslesung des Moskauer Bürgermeisters Jurij Luschkow wurden Gay-Prides mit Satansshows gleichgesetzt – und die polnische Kinderbeauftragte Ewa Sowinska hat einmal geäußert, dass die Teletubbies unzulässige sexuelle Inhalte propagierten, da ein männliches Teletubby eine rote Handtasche trägt. Darüber kann man vielleicht noch den Kopf schütteln oder bestenfalls lächeln, doch bei Aussagen wie denen des lettischen Kardinals Janis Pujats, Homosexualität sei eine „Unnatürliche Form der Prostitution“ oder Überzeugungen, wie sie zu Zeiten des Sozialismus weit verbreitet waren, „Homosexualität ist ein Verbrechen“, bleibt einem das Lachen schnell im Halse stecken.
Der Journalist Wladimir Simonow kritisiert Russlands Homosexuellen-Hass und erklärt, in Russland müssten Homosexuelle als Sündenbock für alles Schlechte herhalten und würden außerdem als die Vorboten der Apokalypse angesehen. Die Autoren Tomek Kitlinski und Stephane Symons kritisieren auch die Politik Warschaus, die sie als extrem nationalistisch bezeichnen. Die Maxime konservativer Polen laute nämlich: „Polen den Polen, Frauen an den Herd [...] Homosexuelle, Lesben und Bisexuelle – ab in die Hölle“, so Kitlinski und Symons. Hier wird deutlich, dass es sich nicht um leere Beschimpfungen handelt, sondern dass es um wahren Hass und den Kampf gegen Homosexualität geht.
Das beweisen auch die zahlreichen Veranstaltungen der homosexuellen Bewegungen Osteuropas, die nicht selten blutig enden, häufig Schauplatz gewaltsamer Auseinandersetzungen sind, aber in allen Fällen zu bedrohlichen Gegen-Demostrationen führen. Das Erschreckendste an diesen Situationen sind allerdings nicht die „kleinen“, gegen Homosexualität demonstrierenden Bürger, sondern sowohl die Politiker als auch die Polizei, die häufig keine Anstalten machen, gewalttätige Exzesse gegen Homosexuelle zu unterbinden. Ganz im Gegenteil: bei der Moscow Pride schlug die Polizei gemeinsam mit Rechtsradikalen, fanatischen Christen und Kommunisten Teilnehmer der Parade zusammen und hetzte gegen diese, statt sie vor Übergriffen zu schützen. In Tschechien und Bulgarien geht man gegen Homosexualität nicht selten mit Tränengas und Morddrohungen vor. In St. Petersburg bilden sich politische, religiöse und kulturelle Gruppen, um CSD-Paraden zu verhindern. So scheint es beinahe ein Segen, dass in Lettland die Schwulen- und Lesbenparaden in abgesperrten Parks unter fast vollständigem Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden und die Teilnehmer anschließend an geheime Orte evakuiert werden. Eine Lösung kann das trotzdem nicht sein, denn niemand sollte sich verstecken müssen.
Homosexuelle in Osteuropa leben auf sehr gefährlichen Terrain und das nur, weil sie einen Menschen lieben, der nicht zum gegensätzlichen Geschlecht gehört.
Doch so gefährlich die Gay-Pride-Aktionen für Homosexuelle in Osteuropa auch sind, so wichtig sind sie auf dem Weg zur Akzeptanz. Dieser Weg ist sicherlich lang und hart, aber kleine Erfolge durften homosexuelle Osteuropäer schon für sich verbuchen. So sind gleichgeschlechtliche eingetragene Partnerschaften inzwischen in Tschechien, Slowenien und Ungarn gesetzlich erlaubt. Außerdem gibt es immer wieder mutige Menschen, die sich nicht einschüchtern lassen, wie beispielsweise Warschaus Bürgermeisterin Hanna Gronkiewicz-Waltz. Diese weigerte sich, auf die Forderungen von Polens (mittlerweile verunglückten) Präsident Lech Kaczynski einzugehen und eine Homosexuellen-Parade zu verbieten. Einen Hoffnungsschimmer verspricht auch die Europäische Union, die Rechte für Minderheiten für alle EU-Teilnehmer fordert.
Osteuropa macht es Schwulen und Lesben sehr schwer, ein gleichberechtigtes Leben zu führen, dennoch darf ebenso wenig vergessen werden, dass auch für Westeuropa noch Nachholbedarf in Sachen Gleichstellung besteht.
Quellen
http://www.sueddeutsche.de/politik/887/448621/text/
www.sueddeutsche.de/politik/571/352403/text/
www.eurotopics.net/…/debatte_homophobie_2007_08/
http://www.eurotopics.net/de/archiv/results/archiv_article/ARTICLE6266-Die-Extreme-der-polnischen-Regierung
http://hpd.de/node/2083/
http://hpd.de/node/2109
www.heise.de/tp/r4/artikel/25/25444/1.html
www.tagesschau.de/ausland/lsvd2.htm
Tags: Homosexualität, Osteuropa, Politik, Queer
Der Beitrag wurde am Freitag, den 16. April 2010 um 18:34 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen.
Am 17. April 2010 um 12:18 Uhr
Soviel Intoleranz ist wirklich erschreckend. Die Rechte von Homosexuellen müssten auch in Deutschland weiter gestärkt werden, wenn man bedenkt, dass homosexuelle Paare hier erst seit 2001 ihre Lebenspartnerschaft eintragen lassen können. Im Vergleich zur Ehe sind sie rechtlich gesehen immer noch im Nachteil.
Am 17. April 2010 um 14:54 Uhr
Entsetzliche und im heutigen Deutschland glücklicherweise unvorstellbare Zustände! Trotzdem nimmt die Toleranz gegenüber Homosexuellen hierzulande eher ab als zu. Zum Thema gab es kürzlich Beitrag im WDR Fernsehen http://www.wdr.de/tv/diestory/sendungsbeitraege/2010/0412/index.jsp
Am 19. April 2010 um 17:26 Uhr
Ich kann nur jedes Mal den Kopf schütteln, wenn ich solche Berichte lese - ich wünschte, die Menschen würden verstehen, dass unsere Welt nur so bunt und schön sein kann, weil es eine Vielfalt gibt und dass diese, sei es in Bezug auf Sexualität oder Herkunft oder oder oder, eine Bereicherung sind.
Am 19. April 2010 um 19:33 Uhr
Was brauchen und fühlen Menschen die anderen keinen Platz lassen? Ist es die Angst vor Kontrollverlust, oder das Bedürfnis nach Beständigkeit und Sicherheit?
Mir macht es Angst zu sehen wie mit Unterschiedlichkeit umgegangen wird.