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“Balkan Queer Pride”

 - Film & Podiumsdiskussion

qp1Zahlreiche Gruppen und Organisationen in Südosteuropa setzen sich für queere Rechte ein, dabei sind sie in ihren Heimatländern häufig extrem aggressiven Anfeindungen ausgesetzt (Homophobie in Osteuropa). Diese dramatische Situation soll im Rahmen des Länderschwerpunkts nicht vernachlässigt werden. Das Festival hat zur großen Podiumsdiskussion „Balkan Queer Pride“ eingeladen, in der einzelne Protagonistinnen der Queer-Szene über ihre Veranstaltungen und Aktionen berichteten.

Leider konnten Masa Hilcisin und Marija Savić, verhindert durch die Aschewolke über Europa, nicht anreisen. Jedoch erklärte sich Mirjana Karanović gerne bereit, an der gut besuchten Diskussion mit Dana Budisavljević und Yana Buhrer Tavanier teilzunehmen. Durch die Diskussion führte die Filmemacherin und Filmkuratorin Betty Schiel. Zum Auftakt wurde der Film „Queer Sarajevo Festival 2008“ von Masa Hilcisin gezeigt, der die gewalttätigen Übergriffe auf Besucherinnen und Besucher des Festivals, die Untätigkeit der Polizei und das Herunterspielen der Vorkommnisse von Politikern thematisierte.

In der anschließenden Diskussion waren folgende Leitfragen maßgebend: Wie kann die momentane Situation der südosteuropäischen Queer-Szene beschrieben werden? Wie sind die öffentlichen Reaktionen auf diese? Wie berichten die Medien? Gibt es lesbische Filme aus der Region?

Auf die Frage, warum sich Mirjana Karanović für die Rechte von queeren Aktivistinnen und Aktivisten einsetzt, antwortete sie, dass sie sich das noch nie gefragt habe, da es für sie völlig normal sei. Durch ihren Bekanntheitsgrad habe sie aber einen etwas größeren Einfluss und als Mensch könne sie ohnehin nicht einfach nur tatenlos zugucken. Sie gab an, dass es vor allem um „Visibility“, also um die Sichtbarkeit gehe. Dementsprechend passierten Übergriffe dann, sobald Homosexualität in irgendeiner Form einen öffentlichen Charakter annehme. In Ex-Jugoslawien sei Gewalt immer noch sehr präsent. Vor allem die Frustration in Bosnien und Herzegowina sei auf einem besonders hohen Level. Das nutzten Politiker aus und machten Lesben und Schwule zum neuen Feindbild.

Die Medien in Bulgarien berichteten zwar über die Attentate auf die Queer-Szene, verurteilen diese aber nicht. So gäben sie den homophoben Agressoren eine Plattform, über die sie unkommentiert ihren Hass im Fernsehen verbreiten können, berichtet Yana Buhrer Tavanier. Sie war auch von der Machtlosigkeit der Polizei schockiert, die Sicherheit bei öffentlichen Queer-Aktionen nicht garantieren konnte oder wollte.

Dana Budisavljević sprach den Medien eine untergeordnete Rolle im Einfluss auf das Thema zu. Sie war der Meinung, dass die EU Druck auf die Politiker Südosteuropas ausüben müsse, damit diese sich für Demokratie und damit auch für den Schutz von Minderheiten, besonders auch der Queer-Szene einsetzen. Dennoch war es ihr wichtig, lesbische Filme mit einem aufklärerischen Charakter zu produzieren. Dies machte auch der während der Diskussion gezeigte Trailer zum Film „Family Meals“ deutlich: http://vimeo.com/8980123

Filme wie dieser sollen zu mehr Akzeptanz in der Öffentlichkeit führen. Der Weg dorthin sei jedoch noch ein langer Prozess, darin waren sich die Diskussionsteilnehmerinnen einig. Als Faktoren für Homophobie wurden in der Diskussion in erster Linie Nationalismus und die undifferenzierte Auslegung von Religion angegeben. Diese Faktoren seien allerdings nicht voneinander zu trennen, sondern stünden in direktem Bezug zueinander. Auf die Publikumsfrage hin, ob man denn die Queer-Festivals der Region trotzdem besuchen sollte, lautete die Antwort von Yana Buhrer Tavanier: „Come! It’s dangerous but worth the fight.“

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Der Beitrag wurde am Samstag, den 17. April 2010 um 23:36 Uhr veröffentlicht und wurde unter Inside Festival abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen.

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