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“Later we care” - Ein Dokumentarfilm über Demenz

later_we_care Die Niederländerin Claire Pijman hat mit „Later we care“ einen sehr persönlichen Dokumentarfilm gedreht. Sie ist die Tochter von Jeane Pijman van Ruyven, einer alten Frau, die nach dem Tod ihres Ehemanns an Demenz erkrankt ist. Der Film schildert offen und anschaulich die Schwierigkeiten, mit denen Alzheimererkrankte und deren Angehörige zwangläufig konfrontiert werden.
Die Dokumentation „Later we care“ beginnt mit einem Rückblick auf das bewegte und erfüllte Leben von Jeane Pijman van Ruyven. Sie war Mutter von fünf Kindern, hat als Ärztin gearbeitet und wohnte mit ihrem Ehemann in Tilburg, bis er verstarb. Jeane Pijman van Ruyven kannte keine Zukunftsängste und ging stets mit einem Lächeln durchs Leben.

Nach dem Tod des Partners wird Jeane Pijman van Ruyven schleichend von der Krankheit Alzheimer eingeholt. Zunächst zieht sie von Tilburg nach Amsterdam ins Haus ihrer Tochter Claire, der Regisseurin des Films, die bereits eine eigene Familie hat und einer Arbeit nachgeht. Als in der Nachbarschaft eine Wohnung frei wird, richtet sich Jeane Pijman van Ruyven dort ein. Der Tochter wird großes organisatorisches Geschick abverlangt, um sich gleichzeitig um ihre Kinder, ihren Job und ihre Mutter, die mehr und mehr ihre Aufmerksamkeit beansprucht, kümmern zu können. Claire fühlt sich zunehmend überfordert, aber sie liebt ihre Mutter und möchte sie nicht in einem Heim unterbringen, sondern eine andere Lösung finden.

Die Geschwister organisieren Pflegedienste und kümmern sich aufopfernd um ihre Mutter, aber das mildert weder die Krankheit noch die damit einhergehenden Probleme. Jeane Pijman van Ruyven irrt alleine durch Amsterdam, sie vergisst, auf die Toilette zu gehen oder wie man in ein Auto einsteigt. Einfachste alltägliche Dinge gelingen ihr nicht mehr. Sie scheitert bei dem Versuch, eine Tasse auf einer Untertasse abzustellen oder einen Deckel auf eine Kanne zu setzen. Zuerst vergisst sie, wie viele Töchter und Söhne sie hat. Später erinnert sie sich nicht mehr daran, dass sie überhaupt Kinder hat.

Jeane Pijman van Ruyven lebt in ihrer eigenen Welt. Sie scheint häufig abwesend und verwirrt. Oft fehlen ihr die Worte. Sie wirkt derart hilflos, dass die Tochter ihre demenzkranke Mutter mit den Worten beschreibt: „Sie ist es, aber sie ist es nicht.“ Jeane Pijman van Ruyven ist durch die Krankheit ein anderer Mensch geworden. Dies zu akzeptieren, ist für ihre Kinder sehr schwierig. Sie wollen nur das Beste für ihre Mutter, aber sie müssen realisieren, dass sie sich nicht unermüdlich um sie kümmern können, ohne selbst daran zu zerbrechen.

„Later we care“ ist ein sehr persönlicher und emotionaler Film, der durch seine Klarheit besticht und den Zuschauer über die Frage zum Nachdenken zwingt, wie er selbst in einer vergleichbaren Situation reagieren würde. Wie geht man damit um, dass die Menschen, die einem das Leben geschenkt haben, im Alter wie Kleinkinder gepflegt werden müssen? Wie lässt es sich mit seinem Gewissen vereinbaren, die eigenen Eltern in ein Seniorenwohnheim zu schicken? Wie kann man die eigenen Eltern in Würde altern lassen und wie möchte man eigentlich selbst die letzten Lebensjahre verbringen?

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Der Beitrag wurde am Samstag, den 17. April 2010 um 23:10 Uhr veröffentlicht und wurde unter Bilderrätsel, Filmrezensionen, Inside Festival, Interviews abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen.

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