Ein Projekt von Studierenden des Studiengangs
Online-Redakteur der Fachhochschule Köln
bild
 
 
« Nicht zuviel an die Zukunft denken - “Melihas dritte Hochzeit” Kind und Karriere - Vom Dreh mit Kind »

Durch die Wüste dem Ziel entgegen – “Every Day Is a Holiday”

every_day_is_a_holidayDer Film „Chaque jour est une fête (Every Day Is a Holiday)“ ist ein libanesischer Wettbewerbsbeitrag von Dima El-Horr für den Internationalen Debüt-Spielfilmpreis für Regisseurinnen. „Chaque jour est une fête“ handelt von einander fremden Frauen, die in Beirut in einen Bus steigen und ein gemeinsames Ziel haben: das Männergefängnis. Die Fahrt durch die Wüste wird jedoch durch einen tödlichen Schuss auf den Busfahrer unterbrochen und die Frauen stehen vor der Frage, wie sie das Männergefängnis doch noch erreichen können.

Die Regisseurin Dima El-Horr sagt über ihren ersten Spielfilm, dass er stark beeinflusst sei von ihrem Leben im Libanon. Sie entführt den Zuschauer in „Chaque jour est une fête“ in eine andere Welt. Abseits belebter Städte spielt die Handlung in der Hermel-Wüste. In eindruckvollen Totalen wird eine karge Landschaft präsentiert, durch die sich eine staubige, kaum befahrene Straße schlängelt.

Die Busreise zum Männergefängnis beginnt wie ein fröhlicher Ausflug. Erst als eine Kugel durch die Frontscheibe saust und den Busfahrer tötet, wird aus dem Ausflug ein nicht ungefährliches Abenteuer. Durch den Schuss kommt der Bus von der Straße ab und kann nicht mehr weiterfahren. Die Frauen sind nun auf sich allein gestellt. Sie haben kein Auto, keine Karte und keinen Handyempfang.

Zunächst wandern sie als Gruppe in Sandalen und auf Stöckelschuhen durch die Wüste. Nach und nach trennen sich die Wege der einzelnen Frauen. Gemeinsam halten Lina, Tamara und Hala einen Hühnertransporter an und können darin mitfahren. Unterwegs hören sie entfernte Explosionen. Sie sehen Menschen, die ihnen, beladen mit Stoffsäcken, zu Fuß entgegen kommen. Sie hätten ihre Dörfer verlassen, da sie angegriffen worden seien, erzählt der Fahrer des Pick-Ups.

Hala, die dem braungebrannten, schwitzenden Fahrer im Muskelshirt nicht vertraut, löst sich von der Gruppe und steigt mitten in der Wüste aus. Jetzt ist sie ganz allein mit sich und ihrer Handtasche, in der eine Pistole steckt, die eigentlich ihrem Mann, einem Gefängniswärter, gehört.

Nachdem der Fahrer des Pick-Ups stark abbremsen musste und die Hühnerkäfige von der Ladefläche geflogen sind, beginnen sowohl der Fahrer als auch Tamara und Lina damit, die Hühner wieder einzusammeln. Dann lässt der Fahrer die Frauen auf der Straße stehen und fährt davon. Die energische Lina will unbedingt zum Auto zurück, da die Scheidungspapiere, die sie im Gefängnis ihrem Mann vorlegen will, in ihrer Handtasche auf dem Beifahrersitz liegen und sie seit Jahren schon um die Scheidung kämpft. Lina und Tamara schaffen es sogar, das Auto und die Papiere wiederzufinden. An einer Straßensperre treffen die drei Frauen wieder aufeinander und setzten ihre Reise zum Männergefängnis fort, wo eine unangenehme Überraschung auf sie wartet.

Der Film erzählt in grandiosen Bildern und mit wenigen Dialogen von Einzelschicksalen in einem Land, das sich im Krieg befindet. Trotzdem sind keine kriegerischen Auseinandersetzungen zu sehen. Es sind die Details, die vom Krieg und seinen Folgen erzählen: die Panzer, die zu Beginn des Films am Bus vorbeifahren, die Flüchtlinge, die den Frauen entgegenkommen, die Albträume Tamaras von toten Menschen, die vollständig in Tuch gehüllt sind und auf dem Meer treiben, die Geschichten des Hühnertransporteurs, der von Massakern zu berichten weiß.

Die häufig eingesetzten Totalen verdeutlichen die Einsamkeit der Menschen, während die Wüste an sich schon Verlassenheit ausstrahlt. Dennoch treten die weiblichen Hauptfiguren selbstbewusst auf. Sie verkörpern Frauen, die allen widrigen Umstände zum Trotz an sich glauben und konsequent ihrem Ziel entgegenlaufen, ohne sich einschüchtern zu lassen.

Tags: ,

Der Beitrag wurde am Sonntag, den 18. April 2010 um 19:32 Uhr veröffentlicht und wurde unter Filmrezensionen, Inside Festival abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen.

Einen Kommentar schreiben