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Eine Frau - zwei Städte: Interview mit Silke J. Räbiger

raebiger31987 kam Silke Johanna Räbiger das erste Mal mit dem Frauenfilmfestival in Berührung. Aus der Berührung folgte das Festhalten. Seitdem pendelt die heutige Festivalleiterin zwischen zwei Städten und Wohnungen: Köln – Dortmund. Doch ihre Begeisterung und Leidenschaft, die sie für das Frauenfilmfestival hegt, wurde kein Jahr älter. Der gemeinsame Rückblick auf das diesjährige IFFF führt uns hinter die Kulissen des Festivals.


Festivalblog: Seit wann sind Sie beim IFFF dabei?

Silke J. Räbiger: Für mich war das erste Festival 1987 in Dortmund und seit 2007 bin ich die Festivalleiterin.

Festivalblog: Mit welchem Gefühl schauen Sie in diesem Jahr auf das Festival zurück?

Silke J. Räbiger: Mit einem sehr positivem, wenn gleich auch sehr müdem Gefühl (lacht). Ich denke, es war für alle eine richtig runde Sache. Wir hatten ganz reizende Gäste und in diesem Jahr ist es uns sehr gut gelungen, die Verbindungslinien zwischen den einzelnen Festivalsektionen deutlich zu machen. Sehr schön war unser Eröffnungsfilm Na putu, der zur Balkan-Sektion gehört und sie damit eingeleitet hat.

Festivalblog: Gab es denn in diesem Jahr irgendwelche Punkte, die nicht so gut funktioniert haben und im nächsten Jahr besser gemacht werden können?

Silke J. Räbiger: Ein Defizit war natürlich die isländische Vulkanwolke (lacht). Aufgrund dessen konnten etliche Gäste nicht kommen. Im Bereich des Schulfilmprogramms können wir besser werden. Allerdings sind wir auch da aus finanziellen Gründen stark eingeschränkt und der Zeitpunkt, unmittelbar nach den Ferien, war ungünstig.

Festivalblog: Doch trotz der Ferien wurden alleine 500 Tickets an Schulen verkauft.

Silke J. Räbiger: Ja, denn wir haben das im Vorfeld an den Schulen publik gemacht und hatten dadurch weitaus mehr als noch im Jahr 2008.

Festivalblog: Sie sagten, dass die Schulfilmprogramme in diesem Jahr aus finanziellen Gründen stark eingeschränkt liefen. Bei der Pressekonferenz sprachen Sie bereits finanzielle Kürzungen an. Ist das eine Reaktion oder ein Resultat dessen?

Silke J. Räbiger: Ja, uns sind hier in Köln Kürzungen von 12,5% angekündigt worden. Deshalb haben wir die Parallel-Veranstaltung Dortmund/Köln und die Anzeigen-Werbung gestrichen. Trotz der Einsparpotenziale hatte der Kern des Festivals Bestand.

Festivalblog: In Dortmund geht das Festival einen Tag länger, es fängt dort bereits dienstags an. Ist dies auch ein Einsparpotenzial?

Silke J. Räbiger: Wir haben diese Verlängerung vorgenommen, weil wir so verstärkt Weiterbildung anbieten können. Bisher wurde es in Köln nie umgestellt und durch die finanziell unsichere Situation haben wir in diesem Jahr entschieden, dass es bei dem Start am Mittwoch bleibt.

Festivalblog: Sie sprechen von einer finanziell unsicheren Situation. Steht das weitere Bestehen des IFFF in den Sternen oder was genau bedeutet das?

Silke J. Räbiger: Unsere Grundfinanzierung ist seit der Fusion 2006 sehr solide. Finanziert werden wir vom Land NRW, den Städten Dortmund, Köln und diversen Geldgebern. Insgesamt aber würde eine Kürzung weitere Einschränkungen nach sich ziehen. Doch klagen will ich deswegen trotzdem nicht.

Festivalblog: Was war in diesem Jahr Ihr persönlicher Lieblingsfilm?

Silke J. Räbiger: Einen persönlichen Lieblingsfilm gibt es nicht. Überraschend für mich war jedoch der Film von Claire Pijman „Later We Care“.

Festivalblog: Wäre Cosmonauta auch Ihr Preisträger im Debütspielfilmwettbewerb gewesen?

Silke J. Räbiger: Um die Frage ehrlich beantworten zu können, müsste ich mir alle acht Filme noch einmal ansehen. Ich war etwas verblüfft über das Ergebnis, doch die Jury hatte sehr stichhaltige Argumente, dem Film Cosmonauta den Preis zu geben.

Festivalblog: Gab es in diesem Jahr eine Besonderheit, ein herausragendes Erlebnis, außer dem isländischen Vulkan, der durchaus für viel Aufruhr sorgte (lachen)?

Silke J. Räbiger: Die Weiterbildungsveranstaltungen mit sehr guten Dozentinnen – allen voran Sibylle Kurz für das Pitching-Seminar – sind hervorragend gelaufen. Außerdem hat das sehr schöne Ambiente im Festivalhotel zum Wohlfühlen und zur guten Stimmung beigetragen.

Festivalblog: Lassen sich zwischen den Städten Dortmund und Köln Unterschiede feststellen?

Silke J. Räbiger: In Köln steht mehr das Aktuelle, mit der Panorama-Sektion, im Vordergrund. Wir haben hier in Köln zudem die Sektion begehrt!-Filmlust queer. In Dortmund arbeiten wir stärker thematisch. Es gibt ein Oberthema für das Festival und darunter sortiert sich die gesamte Filmschau, angefangen bei den 10er, 20er Jahren des letzten Jahrhunderts bis heute. In Dortmund haben wir ein sehr schönes altes Kino, die Schauburg, und ein ehemaliges Kino, das jetzt ein Jazzclub ist, in dem wir ein vielfältiges Programm veranstalten: Musikveranstaltungen, Performances und projizierte Filme mit unser mitgebrachten Kinotechnik. Dortmund ist ein Festival der kurzen Wege im Gegensatz zu Köln.

Festivalblog: Braucht man denn wirklich Kinos, um Filme zu zeigen? Das IFFF in Istanbul zeigt Filme in Sälen, beispielsweise an Universitäten, und es funktioniert wunderbar, so Frau Caner, die das Festival in Istanbul betreut.

Silke J. Räbiger: Das Herunterladen jeglicher Filme und der DVD-Markt lösen eine große Debatte unter den Filmfestivals aus, ob diese nicht überflüssig sind. Der Leiter der Kurzfilmtage in Oberhausen hat Festivals als eine Art „temporäres Museum“ bezeichnet. Die Präsentation eines Filmes auf der Leinwand ist vergleichbar mit einem originalem Kunstwerk und dies entspricht der Absicht des Filmemachers. Deswegen das eiserne Festhalten an guten Vorführmöglichkeiten unsererseits.

Festivalblog: Dieses Jahr hatte das Festival 6500 Besucher. Wie kommt die Zahl zustande, wird jeder Eintritt gezählt?

Silke J. Räbiger: Ja, es wird jeder Eintritt gezählt, dazu gehören auch die akkreditierten oder eingeladenen Gäste.

Festivalblog: Was erwarten Sie oder was können wir vom nächsten IFFF erwarten?

Silke J. Räbiger: Im Mai 2010 wird in Dortmund ein Zentrum für Kunst und Kreativität, genannt Dortmunder U, eröffnet. Ein vorhandener Kinosaal mit 170 Plätzen wird dann unser Festivalzentrum sein, die alten Spielstellen werden auch weiterhin genutzt. Im Dortmunder U wird die Fachhochschule Dortmund mit dem Studiengang Bewegtbild, das Museum für moderne Kunst, der Hartware MedienKunstVerein und ein Zentrum für kulturelle Bildung ansässig sein , ebenso wie die TU Dortmund mit bestimmten Bereichen. Ich denke, dass sich da nochmal viele Synergieeffekte ergeben werden.

Festivalblog: Gibt es schon ein Thema für das nächste Festival in Dortmund?

Silke J. Räbiger: Das Thema werden wir im Laufe des Sommers besprechen, und ab August fangen die Vorbereitungen wieder an.

Festivalblog: Waren Sie denn schon in anderen Ländern und haben dort die Frauenfilmfestivals besucht? Wie empfinden Sie es dort bzw. wo liegen da Unterschiede?

Silke J. Räbiger: Ja, in einigen. Es gibt, sozusagen die Mutter aller Festivals, in der Nähe von Paris, Créteil – da bin ich oft gewesen. Das ist schon sehr imposant, was die Kolleginnen dort zusammentragen, die Länderprogramme und die vielen Gäste. Dazu muss man natürlich wissen, dass Frankreich einfach eine Kinonation ist, die mit ihrer Filmproduktion ganz anders aufgestellt ist. In Seoul war es sehr spannend. Die Kolleginnen dort sind sehr engagiert, das ist ein tolles Festival, es hat sich sehr positiv entwickelt und es ist ein richtig großes Festival geworden.

Festivalblog: Wie sind Sie zum Frauenfilmfestival gekommen?

Silke J. Räbiger: Ich bin eigentlich Lehrerin von Haus aus. Ich habe in Göttingen und Hamburg studiert, in Hamburg habe ich mein erstes und zweites  Staatsexamen gemacht. Ich habe meinen Abschluss in einer Phase gemacht, als überhaupt keine Lehrer angestellt wurden. Ich habe mich zwar beworben, doch gab es damals noch die Schwierigkeit, dass man sich nur in dem Bundesland bewerben konnte, in dem man Examen gemacht hatte. Ich bekam die Möglichkeit, in Dortmund bei einem kleinen Filmverleih zu arbeiten. Ein Freund hatte mich drauf aufmerksam gemacht. Der Filmverleih stellte damals (Anfang der 80er Jahre) Literaturverfilmungen für Bibliotheken zusammen. Da ich Germanistik und Pädagogik studiert hatte, wurde ich angeheuert, um dieses Angebot an Videos aufzubauen. Das war auch die Zeit, als sich femme totale in Dortmund niederließ. Das Festival interessierte mich und ich habe dort mitgearbeitet. Später habe ich ganz beim Festival gearbeitet und bin geblieben. So habe ich meinen Beruf als Lehrerin niemals ausgeübt.

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Der Beitrag wurde am Samstag, den 8. Mai 2010 um 10:35 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Interviews abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen.

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